April, April: Das BPS-Bundeshajk im Meißner-Kaufunger-Wald vom 28.04. bis 01.05. 2006


Eine Woche zuvor hatte es noch nach einem perfekten Hajk-Wetter ausgesehen: Die Sonne strahlte, überall blühte und grünte es und die Vögel sangen fröhlich ihr Lied. Als wir - acht wagemutige Pfadfinder und Rover des Stamm Turmfalke Neu-Anspach sowie der Fußball "Wilson" alias "Williams" - am 28. April 2006 nach langer und beschwerlicher Bahn- und Busfahrt unseren Zielort Großalmerode in der Nähe von Kassel erreichten, war davon jedoch nicht mehr viel zu sehen und zu spüren.
Der Himmel war grau, die Temperaturen luden nicht gerade dazu ein, im T-Shirt herum zu laufen, grüne Blätter waren nirgendwo zu sehen (jedenfalls nicht an den Bäumen) und statt des Vogelgesangs empfing uns das Blöken einer Schafsherde. "Wenn es in den nächsten Tagen irgendwo schneit, dann hier!" waren die letzten Worte, die uns der Busfahrer mit auf den Weg gab, bevor er uns an unserer Zielhaltstelle absetzte.
Einen echten Pfadfinder kann so etwas aber natürlich nicht abschrecken, und so schulterten wir unsere Rucksäcke und wanderten immer dem Stammesfahnenträger hinterher zu dem Zeltplatz, der als Startpunkt für das Bundeshajk 2006 vorgesehen war. Dort wurden wir schon von einigen anderen Sippen von Hannover bis Pforzheim erwartet, die bereits dabei waren, ihre Zelte aufzuschlagen oder das Abendessen zu kochen. Auch wir machten uns sofort an die Arbeit und schafften es, noch vor dem ersten Regenschauer unsere Plane aufzuspannen und unsere Nudeln mit Tomatensoße zu bereiten.
Nach der kurzen Willkommensrunde verzogen sich die meisten sehr bald in ihre Schlafsäcke, denn es war kalt und ein (Graupel-)Schauer folgte dem nächsten. Trotz der Temperaturen um den Gefrierpunkt sowie dem durch eine Eisschicht auf der Zeltplane bedingtem einahe-Zelt-Einsturz mitten in der Nacht waren wir am nächsten Morgen hochmotiviert, mit Sack und Pack aufzubrechen. Ein Reis-Apfelmus-Marmelade-Frühstück verlieh uns die benötigten Kräfte und so machten wir uns als eine der ersten Gruppen auf dem Weg. Da wir darauf verzichten wollten, die Hajkaufgaben zu bearbeiten, war unser einziges Ziel der Hohe Meißner, doch den wollten wir erst am Sonntag erreichen. Daher blieb Zeit, den Meißner-Kaufunger-Wald der Nase nach zu durchwandern.
So kam es, dass wir schon nach kurzer Laufzeit den Bielstein samt Aussichtsturm erklommen hatten und die erste Pause einlegten. Nicht, dass wir etwas Ruhe gebraucht hätten, nein, das Ziel des Aufenthaltes auf dem Berg war vielmehr, die Aussicht auf die schwarzen Regenwolken am Horizont zu genießen und (für die meisten der weitaus wichtigere Grund) große Steinbrocken vom Turm zu werfen und diese dabei zum Zerbrechen zu bringen.
Irgendwann trieb uns die Kälte jedoch weiter, beim Wandern wurde einem wenigstens schön warm. Ab und zu kam sogar die Sonne heraus, jedes Mal ein Grund, kurz stehen zu bleiben und die warmen Strahlen zu genießen. Unser mehr oder weniger geplanter Weg führte uns vorbei an einer idyllischen Quelle und weiter nach Wickenrode, wo wir unseren Brot- und Wasservorrat auffüllten und dann eine ausgiebige Mittagspause am Sportplatz einlegten.
Nachdem wir uns so gestärkt hatten, verhalfen die einen Wilson zu etwas Auslauf, andere sonnten sich oder wuschen sich ausgiebig am nahe gelegenen Bach. Gerade als es weitergehen sollte, zwang uns ein heftiger Graupelschauer, in einer winzigen Hütte am Skilift auszuharren, bis die Wolken über uns hinweg gezogen waren. Doch auch dieser Schauer ging vorbei, und so waren wir schon bald wieder unterwegs, diesmal auf der Suche nach einem guten Übernachtungsplatz.
Wir fanden ihn in Form einer wunderschönen Grillhütte am Ortsrand von Rommerode, die uns nicht nur Schutz gegen den Regen und den kühlen Wind, sondern den Härtesten unter uns sogar eine Bademöglichkeit in Form eines Fischweihers bot. Statt ans Baden dachten die meisten jedoch zunächst ans Essen. Während die ersten schon mit dem Kochen bzw. Feuer machen begannen, tauschten sich die anderen im Dorf einige dringend benötigte Nahrungsmittel zusammen. So wurden wir unseren Tomatenfisch los, den sowieso kaum einer mochte.
Kaum hatten wir den leckeren Kartoffelbrei bis auf den letzten Löffel verschlungen, als auch schon wieder die ersten in ihre warmen Schlafsäcke krochen. Nur der warme Tee lud bei den gegebenen Wetterbedingungen dazu ein, noch ein Weilchen am Tisch zusammen zu sitzen und sich zu unterhalten.
Der neue Tag begann für den größten Teil unserer Gruppe mit großem Gelächter, als zwei von uns beim Baden im eiskalten Weiher von einem Angler überrascht wurden. Die Angler, die sich im Laufe des Morgens auf wundersame Weise stark vermehrten, schienen sich jedoch nicht an uns zu stören, und so konnten wir ganz in Ruhe unseren Haferschleim verspeisen und alles zusammenpacken.
Unser Tagesziel an diesem Sonntag war der Hohe Meißner. Der Weg, den wir uns auf der Karte herausgesucht hatten, führte uns ¨ber Wiesen und Felder, durch den Wald und einige Ortschaften und ein ganzes Stück auch über eine stillgelegte Bahntrasse. Dabei ging es schon bald stetig bergauf und dunkle Wolken bedeckten den Himmel, so dass wir in Hausen, dem höchsten Dorf Hessens, in einer kleinen Bushaltestelle eine letzte Pause vor dem Gipfel einlegten, um uns mit Müsliriegeln zu stärken und den herannahenden Schneesturm abzuwarten.
Irgendwann wurde uns aber langweilig, und so begannen wir unseren Sturm auf den Gipfel inmitten von dichtem Schneefall - ganz, wie es der Busfahrer uns angekündigt hatte. Doch auch der Schnee konnte uns nicht aufhalten. Nachdem wir den Wald verlassen hatten, stapften wir über weiße Wiesen dem Naturfreundehaus auf dem Hohen Meißner entgegen, wo wir von den Rheinbachern empfangen wurden, die sich für die kommende Nacht schon einen warmen Raum zum Übernachten gesichert hatten.
Übernachten konnten wir hier nicht, das wäre zu eng geworden, doch für ein ausgiebiges Mittagessen war Platz genug. Danach begann die Suche nach einem Schlafplatz. Da immer mehr Gruppen auf dem Berg eintrudelten, wurden die Übernachtungsmöglichkeiten langsam rar. Auch unsere Suche war zunächst nicht von Erfolg gekrönt, sodass wir eine kurze Suchpause einlegten und stattdessen den Ort auf dem Meißner besichtigten, an dem 1913 der Freideutsche Jugendtag stattgefunden hatte. Auf unserer Spazierrunde ging es weiter an den Sendemasten vorbei zurück in den Wald, wo wir eine winzige Hütte fanden, in der wir höchstens gestapelt hätten übernachten können.
So blieb uns nichts anderes übrig, als einen kleinen Trupp zurück nach Hausen zu schicken, von wo aus wir am nächsten Morgen in aller Frühe unsere Heimreise antreten wollten. Und tatsächlich: Schon nach kurzer Zeit fanden wir bei einem Bauern im Stroh Unterschlupf. Das Abendessen - mal wieder Nudeln mit Tomatensoße - nahmen wir aber auf dem Hohen Meißner ein, wo wir uns ein letztes Mal kurz aufwärmten und uns von den anderen Gruppen verabschiedeten. Dann ging es bergab nach Hausen und schon bald waren wir dabei, uns im Stroh neben den Traktoren des Bauers einen Schlafplatz einzurichten.
Von einem großen Berg Stroh bedeckt verbrachten wir die wärmste Nacht dieses Hajks, im Bett zu Hause hätte es nicht besser sein können. Das Aufwachen am nächsten Morgen wurde begleitet vom Muhen der Kühe, die gerade gemolken wurden, doch wir hatten nicht viel Zeit und machten uns ohne Frühstück auf zur Bushaltestelle. Wegen eines Missverständnisses kam der Bus zu spät und wir verpassten unsere Bahn in Hessisch-Lichtenau, hatten deshalb aber genügend Zeit für ein leckeres Frühstück und ein letztes Spiel mit Wilson.
Als wir einige Stunden später nach einer wiederum langen, von gelegentlichen Singerunden begleiteten Zugfahrt in Friedberg eintrafen, waren wir alle recht müde und sehnten uns nach einer warmen Dusche.
Trotzdem bereute es niemand, mitgekommen zu sein. Dafür hatten wir viel zu viel erlebt und zu erzählen und waren uns außerdem sicher: So ein Allwetter-Hajk mitgemacht und überlebt zu haben, war schon etwas Besonderes. Dass wir dabei trotz aller Schauer nie wirklich nass wurden, die kalten Nächte gut überstanden und aller Widrigkeiten zu Trotz sehr viel Spaß und eine super Gemeinschaft hatten, verdanken wir wohl allein unserem Vater im Himmel.

tiri




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