Back to the Roots
Deutsch-Dänisches Sommerlager in Taunusstein


Es ist der 26.7.2003 - ein sonniger Samstagnachmittag, an dem sich etwa 30 Pfadfinder und Pfadfinderinnen unseres Stammes (Turmfalken Neu-Ansapch) auf einem Lagerplatz in der Nähe von Taunusstein einfinden. In den nächsten acht Tagen wird hier ein Sommerlager gemeinsam mit ca. 30 dänischen Pfadfindern aus Esbjerg, Odense und Århus, die wir im letzten Jahr auf dem „Nordisk" in Norwegen zum ersten Mal trafen, unter dem Motto „Back to the Roots of Europe" stattfinden. Unterteilt in sechs Teillager, die jeweils ein europäisches Land repräsentieren, sollen sich Deutsche und Dänen näher kommen.
Doch erst einmal müssen die Jurten und Kohten, aufgebaut werden, und dabei wird jede Hand benötigt. Als dann endlich alle Zelte stehen und die bunten Fahnen von Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden und Groß-Britannien im Wind flattern, treffen dann auch die Dänen - erschöpft von der langen Zugfahrt - auf dem Lagerplatz ein. Nachdem die Zelte bezogen sind, wird das Lager mit einer Lagerfeuerrunde feierlich eröffnet.
Am nächsten Morgen werden wir durch einen lauten Trompetenruf geweckt. Nach dem Frühstück stehen zunächst Lagerbauten auf dem Programm: Nur aus Holzstangen und Schnur entstehen ein begehbares Lagertor, ein Kochtisch für die Utensilien der Küche, eine Waschstelle sowie ein Sonnen- bzw. Regendach, das sich bei den kurzen Regenschauern, die häufig von prallem Sonnenschein gefolgt werden, noch als sehr praktisch erweisen wird. Natürlich wird auch ein Fahnenmast errichtet, an dem wir dann feierlich die dänische Flagge sowie unser Stammesbanner hissen (die deutsche Fahne verschwand bereits in der ersten Nacht spurlos von der Spitze einer Kohte).
  Das Mittagessen wird an diesem Tag vom Unterlager Schweden zubereitet, in den nächsten Tagen hat jedes „Land" die Gelegenheit, eine typische Speise für die anderen Teilnehmer zu bereiten; die Italiener kochen natürlich Spaghetti mit Tomatensoße, die Schweden Köttbullar (Frikadellen). Den Nachmittag verbringen wir im Freibad in Hahn, die nicht ganz hochsommerlichen Temperaturen hindern uns nicht daran, ausgiebig zu baden.  
An diesem wie auch an den folgenden Abenden sitzen wir noch lange am Lagerfeuer, singen deutsche, dänische und englische Lieder und haben Zeit, die anderen besser kennen zu lernen. Zwischendurch gibt es auch immer wieder Sketcheinlagen, die die Runde etwas aufheitern. Jeden Tag gibt es außerdem eine Andacht, bei der jeweils eine Geschichte vom ehemaligen Räuberjungen Tom erzählt wird, die aufzeigt, wie der christliche Glaube ein Leben verändern kann.
Am Dienstag steht ein Besuch in Wiesbaden auf dem Plan. Gemeinsam wandern wir zur nächst gelegenen Bushaltestelle und fahren von dort in die Innenstadt, die wir dann in Kleingruppen unsicher machen. Später besichtigen wir das Schloss Freudenberg, bekannt als Schloss der Sinne, und seine Parkanlage, in der man unter anderem eine riesige Schaukel und einen Barfußpfad finden kann.
  Am nächsten Morgen werden die Rucksäcke geschultert, denn für Mittwoch und Donnerstag ist ein Hajk vorgesehen. Ziele sind Sehenswürdigkeiten der Umgebung, eine Burg, einen Römerturm oder „Die Dicke Linde". Aufgeteilt in fünf, nach Alter und Laufstärke sortierten Gruppen brechen wir in verschiedene Himmelrichtungen auf. Während die Gruppe der Jüngsten und Fußkranken nach der Wanderung mit wenig Gepäck wieder zum Lagerplatz zurückkehrt, legen die anderen an diesem Tag recht lange Strecken zurück. Am späten Nachmittag bricht ein starker Schauer aus, der die meisten Gruppen erst einmal einen Unterschlupf suchen lässt. Andere, die sich ihrem Ziel schon sehr nahe wähnen, werden völlig durchnässt. Tatsächlich erweist sich die Suche nach den Zielen als schwieriger als gedacht; Römerkastell und „Dicke Linde" bleiben unauffindbar. Am Abend müssen sich alle Gruppen einen Platz zum Schlafen suchen, die Zelte aufbauen und über dem Feuer das Abendessen kochen, bei nassem Boden keine ganz einfache, aber für Pfadis natürlich trotzdem lösbare Aufgabe. An diesem Tag schlafen alle sehr früh ein, müde von dem langen Marsch, der am nächsten Morgen weitergeht. Zwar sind die Rucksäcke schwer, der Weg erscheint einigen endlos und das Wetter zeigt sich auch nicht gerade von seiner besten Seite, doch trotz allem erreichen gegen Mittag alle Gruppen erschöpft aber gut gelaunt den Lagerplatz.
Zur Erholung wird der heiße Nachmittag im 4-km-entfernten Schwimmbad verbracht, endlich eine Gelegenheit, richtig zu duschen und sich im kühlen Nass zu erfrischen.
Am vorletzten Tag findet ein Geländespiel statt, bei dem wir dann das Leben von Lord Robert Baden-Powell, dem Begründer der Pfadfinderbewegung, näher kennen lernen können. Wir treffen verschiedene Personen aus B.P.s Leben, z.B. seinen Lehrer oder seine Frau, die uns mehr erzählen können. Gleichzeitig muss man sich aber vor den Sklavenhändlern in Acht nehmen und nach Kranken am Wegesrand, denen man helfen kann, Ausschau halten. Mit dem gesammelten Wissen kann man dann ein Rätsel zu B.P. lösen.
  Nachmittags beginnen dann die Vorbereitungen für den bunten Abend: Theaterstücke werden einstudiert, selbst gedichtete Lieder über die verschiedenen europäischen Länder geübt, man denkt sich Sketche und Spiele aus und ein Büffet für den Abschiedsabend wird bereitet. Endlich ist es soweit, der Bunte Abend beginnt mit den Theaterstücken, darunter historische Tragödien sowie Liebesdramen, und Liedern der einzelnen Hajkgruppen, es wird viel gelacht, aber auch der Applaus fällt nicht zu knapp aus.
Auf dem Programm steht außerdem die Ehrung der besten Hajkgruppe (Schweden) und der Siegergruppe des Geländespiels (Dänemark). Natürlich wird auch wieder viel gesungen und als sich die Dunkelheit über das Lager senkt, wird Tschaj ausgeschenkt. Länger als sonst sitzen die Pfadfinder an diesem Abend unter dem sternenklaren Nachthimmel am Feuer.
Trotzdem sind am nächsten Morgen alle wieder früh auf den Beinen und helfen beim Abbau. Dann kommt die Stunde des Abschieds. In den letzten Tagen wurden einige Freundschaften geschlossen und man hat viele neue Leute kennen gelernt. Obwohl sich alle auf ihr Bett, eine richtige Dusche und saubere Anziehsachen freuen, sind wir deshalb doch traurig, nun auseinander zugehen. Doch wir hoffen, uns auf dem deutschen Bundeslager der baptistischen Pfadfinder bei Koblenz 2004 oder auf dem Bundeslager der dänischen Pfadfinder 2005 bei Øksedal wieder zu sehen.
Auch auf diesem Lager haben wir wieder erfahren, dass Gott an unserer Seite steht. Die Gemeinschaft zwischen Deutschen und Dänen war ausgesprochen gut, das Wetter bis auf ein paar Schauer ebenfalls und von Verletzungen blieben wir weitestgehend verschont.

tiri

PS: Wer von den deutschen Pfadis Lust hat, mehr über die dänischen Pfadfinder herauszufinden oder ihnen einen virtuellen Besuch abstatten will, kann dies im Internet unter www.dbs.dk tun. Dort findet ihr auch Links zu den Seiten von Esbjerg, Odense und Århus.