"Damit ihr Hoffnung habt"


2. Ökumenischer Kirchentag in München 2010

Dieser Kirchentag war anders als die anderen fünf Kirchentage, an denen wir Turmfalken bisher als Helfer teilgenommen haben. Und das lag nicht daran, dass er in der bayerischen Landeshauptstadt stattfand, in der die Leute eine Sprache sprechen, die man als Nicht-Muttersprachler weder vernünftig verstehen noch erlernen kann. Große Verständigungsprobleme hatten wir trotzdem nicht, denn die meisten Kirchentagsbesucher kamen ja wie wir selbst "von außerhalb" und die wenigen Münchener Ureinwohner, auf die wir trafen, waren entweder sehr bemüht, sich verständlich auszudrücken, oder wurden von Tina auf einfache, aber eindrucksvoller Weise vertrieben ("Kruzifix!"). Die Andersartigkeit dieses Kirchentages hatte auch nichts damit zu tun, dass es sich um einen Ökumenischen Kirchentag handelte. Erstens kannten wir das ja schon aus Berlin 2003 und zweitens ist es – wie es Helferkollegen in der guten alten Helferpostille so schön ausdrückten – "uns egal, ob jemand evangelisch oder katholisch ist. Viel wichtiger ist, dass Bremen das DFB-Pokalfinale gewinnt!" (an dieser Stelle empfehlen die Autoren dieses Berichts allen Nicht-Bayern-Fans, eine Trauer-Minute einzulegen).
Wenn dieser Kirchentag also weder wegen der Sprache noch wegen der anwesenden Katholiken so anders war, was war dann der Grund? Ganz einfach: Das Wetter. Der erfahrene Kirchentagshelfer lässt seine lange Hose und seine Regenjacke zu Hause und packt stattdessen drei Tuben Sonnenmilch (Lichtschutzfaktor 30) ein, bevor er den Zug zur Kirchentagsstadt besteigt, denn er weiß: Es wird sonnig und heiß. Sehr sonnig und heiß. Wer 2010 trotz der zuvor bekannten Wetterberichte stur dem Kirchentagsmotto "Damit ihr Hoffnung habt" folgend beim Packen diese Strategie anwandte, der musste in München frierend und nass durch die Stadt laufen. Alle Vorsichtigeren, die grundsätzlich immer lange Hosen und Regenjacken mit sich führen, mussten übrigens ebenfalls frierend und nass durch die Stadt laufen, jedenfalls wenn sie die Kühnheit besaßen, U-Bahntunnel und Messehallen ins Freie zu verlassen.
Doch genug über die Andersartigkeit dieses Kirchentags. Denn auch wenn wir unsere Pläne begraben mussten, unsere Freizeit schlafend im Englischen Garten oder in der Abendsonne bei Konzerten auf der Theresienwiese zu verbringen, war doch das meiste so, wie wir das von anderen Kirchentagen gewöhnt waren, und wir hatten auch in Abwesenheit der Sonne jede Menge Spaß. Dazu trug natürlich wieder unsere Arbeit in der Gepäckaufbewahrung bei. Auch wenn unser Einsatzort am Hauptbahnhof gut getarnt und deshalb zeitweise nur extrem wenig besucht war, sind wir immer noch sicher, dass man als Gepäckaufbewahrer einen der schönsten Jobs auf dem Kirchentag hat. An dieser Stelle viele Grüße an unsere Stammkunden Friedrich Nase und die Frau mit dem Haustaxi sowie alle Unterstützer unserer Instrumentenaufbewahrungs-Petition!
Unsere freie Zeit verbrachten wir größtenteils in der U2, die uns von der Innenstadt zur Messe und damit in die Helferverpflegungshalle brachte. Diese viel zu lange Fahrt in meist überfüllten U-Bahnen wurde uns freundlicher Weise ab und an durch die Sprüche der Münchener U-Bahn-Fahrer versüßt ("Dieser Zug hat acht Türen und ALLE fahren zur Messe"). In der Messe befand sich auch die Helferkneipe, eine unserer Lieblingsanlaufstellen jedes Kirchentags, in der man in diesem Jahr nicht nur kostenfrei Bionade trinken, Kicker spielen und Ex-Außenminister treffen, sondern auch wunderbar schlafen konnte.
Wenn wir wach genug waren, besuchten wir auch die ein oder andere Kirchentagsveranstaltung, wobei wir feststellen mussten, dass a) auch Konzerte im Regen sehr spaßig sein können, b) eisige Kälte im Mai extrem demotivierend ist und c) manche Veranstaltungsorte zumindest für gebürtige Hunseler sehr schwer auffindbar sind. Den verbleibenden Teil unserer Freizeit widmeten wir München, wobei wir uns häufig auf das Innere von Gebäuden (Deutsches Museum, Sea Life, Hofbräuhaus :-) beschränkten. Unsere Nächte verbrachten wir in einem Klassenraum des Werner-von-Siemens-Gymnasiums (auch bekannt als "UFO-Schule"), das uns vor allem wegen des lila Fußbodenbelags, der neongrünen Wände und der extrem kreativen Quartiersmeister im Gedächtnis bleiben wird.
Alles in allem konnten der Regen, die Kälte und die aggressiven, von einem nicht näher bezeichneten Helfer verbreiteten Erkältungserreger uns nicht davon abhalten, auch auf diesem Kirchentag viele schöne Dinge zu erleben, nette Leute zu treffen und an unserer Tradition festzuhalten: Auch beim nächsten Kirchentag sind wir wieder als Helfer dabei! Der findet übrigens nächstes Jahr in Dresden statt und es gibt etwas, das wir aus München dorthin mitnehmen werden: Hoffnung. Auf besseres Wetter.

tiri


PS: Bei der Lektüre der sechsten und letzten Ausgabe der Helferpostille stößt der aufmerksame Leser auf den Grund für das kalte und nasse Wetter. Folgende Anzeige fand sich auf der letzten Seite ganz unten:

"Viele Grüße aus dem Urlaub. Hier
ist es wunderschön und warm.
Vielleicht schau ich im Sommer
mal bei euch vorbei! Eure Sonne"