Klettern in den Dolomiten 2010


Mit großer Erwartung brachen wir am Freitag, den 27.08.2010 von Neu-Anspach zu unserem Ziel auf: den Dolomiten in Italien. Vor uns lagen 9 Stunden Autofahrt. Die Gruppenverpflegung wollten wir während der Fahrt besorgen. Nachdem wir uns eine Einkaufsmöglichkeit gesucht hatten, mussten wir leider feststellen, dass in bayerischen Gefilden sämtliche Supermärkte ab 20:00 Uhr geschlossen haben. Auf einen Tipp eines Tankstellenwartes hin schmiedeten wir den Plan, mit einem Fegro-Ausweis in der angeblich noch offenen Metro einzukaufen - allerdings wurden wir mit unserem Fegro-Ausweis abgewiesen wurden. Eine nette Dame hatte aber Mitleid mit uns und ging mit uns einkaufen. Nach einem kurzem Abendessen konnten wir unsere Fahrt so fortsetzen.
Nachts um 4:00 Uhr schrie Christian (der Nachtfahrer) plötzlich: „Dort ist ein See, lasst uns da pennen!" Tobi und Mario, aus dem Schlaf aufgeschreckt, stimmten nach kurzer Besinnung zu. Als wir einen geeigneten Schlafplatz gefunden hatten, versteckten wir das Auto, bauten eine Plane auf, begaben uns um 5:00 Uhr in die Schlafsäcke und blieben trotz regnerischer Nacht trocken. Der nächste Morgen überraschte uns mit einem sonnigen Dolomitenpanorama.
Sobald wir zusammengepackt hatten, fuhren wir weiter zu unserem Basislager „Rif. A. Dibona" in 2032m Höhe. Am Ende eines stürmischen Aufstiegs auf der Südseite wartete schon eine attraktive Blondine am Fuße des Einstiegs in den Klettersteig auf 2460m. Wir stärkten uns mit Schwarzbrot, legten die Klettersteigausrüstung (Klettergurt, Lampe...) an und wagten den Einstieg in den Klettersteig, welcher mit dem legendären Tunnel begann. Der enge, dunkle, nasse und noch aus dem 1. Weltkrieg stammende Tunnel schlängelte sich steil quer etwa 500m durch den Fels und brachte uns auf eine Höhe von 2700m. Nachdem wir einen relativ entspannten Trampelpfad hinter uns gebracht hatten, stiegen wir in die Wand ein. Der Klettersteig (Klasse „C" (schwierig)) forderte uns durch sehr steile und mit wenig Griffen durchsetzte Felswände. An einer Wegkreuzung, die uns seltsam vorkam, glaubten wir die geplanten Gipfelwegkreuzung gefunden zu haben und bogen zum Gipfel ab. Dieser Weg zwang uns jedoch nach ungesicherten, schwierigen Kletterpassagen zum Umkehren. Der weitere Klettersteig führte uns auch durch kurze Tunnel, in denen Christian jede Menge Steinschläge verursachte und so die anderen in Gefahr brachte.
Aufgrund der einbrechenden Dunkelheit beschlossen wir, den geplanten Gipfelaufstieg auf den nächsten Morgen zu verschieben, und machten uns auf den direkten Weg zur Hütte Rif Guissani auf 2580m. Die Hütte überraschte uns durch strenge Regeln: Zum Beispiel mussten beim Kochen 20 m Entfernung zur Hütte eingehalten werden; um 22:00 Uhr wurde die Tür verriegelt und es herrschte absolute Hüttenruhe; und um 7:00 Uhr mussten alle privaten Gegenstände aus den Zimmern verschwunden sein.
Am nächsten Morgen (Samstag) stiegen wir mit dem Sonnenaufgang um 6:15 auf den 3225m  hohen Gipfel Tofanne de Rozes. Der Aufstieg führte uns über Klettersteige, die sich durch senkrechte Wände, tiefe Abgründe, vereiste Felsen und wenige Griffe auszeichneten. Auf dem Gipfel Tofana de Rozes fegte uns ein kalter Wind um die Ohren. Wir kauerten uns hinter das Gipfelkreuz und machten Frühstück mit Schwarzbrot. Wieder an der Hütte angekommen, nahmen wir ein Sonnenbad und begannen um 12:00 Uhr mit Sack und Pack unseren nächsten Aufstieg zum Tofana de Mezzo auf stattlichen 3245m. Die Wanderung begann mit einem nicht markierten Pfad durch das Geröllfeld, das in seiner Steilheit extrem zunahm und durch den Kies das Vorankommen stark behinderte. Jeder Tritt rutschte im Kies etwa auf die Höhe des letzten Schrittes ab.
Als wir unsere Position korrigieren mussten, da wir den Kettersteigeinstieg an anderer Stelle sahen, kletterten wir über einen Felsüberhang, um auf die andere Hangseite zu gelangen. Dabei verlor Christian seinen Rucksack, der den Hang herunter rollte und sich etliche Male überschlug. Bei Tobis Versuch, den richtigen Pfad zu queren, brach der Sand unter seinen Füßen weg und er rutschte 10 Meter auf dem Boppes den Abhang hinab. Mit dem Einstieg in den nachfolgenden Klettersteig gewannen wir über mehrere eingelassene Leitern rasch an Höhe. Kurz darauf erreichten wir unseren zweiten Gipfel - den Tofana de Mezzo.
Dort wurden wir vom Seilbahnwart aufgefordert, uns zur Bahnstation zu begeben, weil offenbar in Kürze die letzte Seilbahn ins Tal fahren sollte. An der Seilbahnstation fanden wir unser Nachtlager, das uns mit zwei Stockbetten in der Ankunftshalle der Seilbahnstation errichtet wurde. Unsere leeren Wasserreserven füllten wir an der Seilbahnbar auf. Nach kurzer Sonnenpause auf der Terrasse wollten die Übermotivierten - Christian und Tobi - noch den letzten Gipfel stürmen, obwohl es bereits 17:00 Uhr war.
Der Weg zum Gipfel führte uns entlang eines weiteren Klettersteigs. Kurz vor dem Gipfel entdeckten wir eine skurrile Höhle, die unerwartet groß war. Darin wurden wir von eindrucksvollen Eiszapfen, vereistem Fußboden, vereisten Wänden und unvorstellbar großen Eisblöcken überrascht. Auf dem Gipfel trugen wir uns im Gipfelbuch ein und machten Fotos. Die sich schnell verbreitenden Nebelschwaden um den Gipfel herum bereiteten uns Sorge um die Orientierung auf unserem Rückweg. Aber: Diskussion beendet (so lautete Tobis Motto auf dieser Tour), der Rückweg war kein Problem und das Abendessen schnell gekocht.
Am nächsten Morgen war leider wieder kein Sonnenaufgang zu sehen, da wir von einer nebeldurchsetzten Schneelandschaft umgeben waren. Die zum Dienst angetretene Seilbahnmannschaft lud uns auf einen Cappuccino in der Seilbahnbar ein. Danach ging es eine Station tiefer ins Tal, wo wir unseren letzten Klettersteig antraten. Dieser war unberührt vom Schnee bedeckt und so hatten wir ein letztes schönes Klettererlebnis. Auf dem Weg zu unserem Basislager, zu dem es vom Ende des Klettersteigs nicht mehr weit war, wurden wir von Gemsen und Murmeltieren verabschiedet.
Auf der Rückfahrt wurde ein Zwischenstopp mit Mittagessen an einem Alpensee eingelegt. Dabei wurde auch nicht das Erfrischungsbad im Bachzulauf vergessen. Um 3:00 Uhr kamen wir in en heimischen Gefilden an - Diskussion beendet!

Mario, Christian, Tobi