Unsere Blockhütte

Schon im Herbst 2000 hatten wir die Idee, für unsere Pfadfinder eine Blockhütte im Wald zu bauen. Ein Antrag an die Naturschutzbehörde war schnell gestellt, doch dieser wurde leider abgelehnt. Wir gaben jedoch nicht auf und stellten mit Unterstützung des Försters einen zweiten Antrag für eine Bauerlaubnis im Schmittener Gemeindewald. Diesmal hatten wir mehr Erfolg und der Antrag wurde bewilligt.
So fingen wir schon Ende April 2001 mit den Arbeiten am Bauplatz an. An den Wochenenden trafen sich die fleißigen Arbeiter und gingen den verschiedenen Aufgaben nach.
Nach unseren Berechnungen mussten etwa 45 Bäume gefällt werden, und so hörte man schon bald die Geräusche der Beile und Sägen, dann plötzlich der Ruf: "Baum fällt!" und die Fichte krachte hinab oder wurde gewaltsam zu Boden gebracht.

Da die Motorsäge schon beim zweiten Treffen ihren Geist aufgegeben hatte, war dies alle harte körperliche Arbeit. Als nächstes wurden die Stämme mit Beil und Machete entastet und dann per Hand, mit Schäleisen oder Beilen geschält. Unter der Rinde kam das glitschige Holz des Baumes hervor, das sich sehr gut zum grinden eignete.
Die geschälten Bäume wurden vermessen und anschließend in 3,5 und 5,5 Meter lange Stangen zurecht gesägt. Diese durften dann von den besonders starken Pfadfindern zum Bauplatz gezogen werden, wobei die glatte, rutschige Oberfläche der Stämme sehr hilfreich war.
Währendessen wurde am zukünftigen Standort der Hütte der Untergrund geebnet, was durch den Taunusschiefer eine sehr anstrengende Arbeit war.

Um schneller voran zu kommen, beschlossen wir, in der ersten Woche der Sommerferien ein "Arbeitslager" zu veranstalten. Vielleicht ist der Name etwas irreführend, denn gearbeitet wurde nicht zu viel und wir hatten alle viel Spaß. Unsere Hochkohte stand in der Nähe der Hütte im Wald.
Dort bereiteten wir mittags und abends unsere leckeren Tütenmahlzeiten zu (aber nur, wenn Edine nicht für uns kochte) und lagen, wenn der Abend nahte, gemütlich in unseren Hängematten am Feuer.
Tagsüber wurde mit vielen kleinen Pausen gearbeitet. Einmal kam uns die Jugend besuchen, ein anderes Mal machten wir einen Ausflug nach Bad Homburg. Am Sonntag nahmen wir uns frei und wanderten zum Gottesdienst. Am Ende der Woche hatten wir etwa 50 Stangen beisammen und der Wald hatte ein paar Schneisen mehr als vorher.

In der vorletzten Woche der Sommerferien besuchte uns Uwe Meißner,unser Ehrenpfadfinder, der beim Bau von verschiedensten Dingen viele Erfahrungen gesammelt hatte und uns gerne helfen wollte. Die wirkliche Bauphase sollte nun beginnen.
Als erstes mussten wir leider feststellen, dass der geebnete Untergrund für die Hütte noch viel zu klein war, und so begann die Woche mit Erd- und Felsarbeiten.
Anschließend wurden die Fundamentsteine millimetergenau an die Grundfläche angepasst. Dann endlich war es soweit: Wir konnten die Wände der Hütte zusammensetzen. Die fertigen Stämme wurden in die gewünschte Position gesetzt und schon tauchten die nächsten Probleme auf. Niemand wusste, wie tief die Stämme in einander eingelassen werden müssen und auch sonst wimmelte es in unseren Köpfen von Fragezeichen.
Doch nach einem Blick ins Architekturbuch und vielen guten Ratschlägen des Hunoldstaler Zimmermannes konnte die Arbeit am nächsten Morgen fortgesetzt werden.

Die Stämme wurden an beiden Seiten gehobelt, auf die bereits bestehende Wand gelegt und eingepasst. Hierfür mussten die Stangen mit Hammer und Meißel eingekerbt werden, was keine leichte Arbeit war. Doch die richtige Technik war bald gefunden und an den besten Tagen arbeiteten 5 Leute gleichzeitig und ließen die Wand in der Rekordzeit von einer halben Stunde um 14 cm wachsen, sodass die Wände am Ende der Woche eine Höhe von 1,60 Metern hatten. Nach den Sommerferien wurde die Arbeit an einigen Samstagen fortgesetzt.
Wir widmeten uns ganz der Materialbeschaffung. Weitere Bäume wurden gefällt, entastet und geschält, Bretter und Dachlatten wurden herbeigeschleppt, entnagelt, sortiert und gestapelt, Ziegel, die Arnold und Christian abgedeckt und zur Baustelle gebracht hatten, wurden unter Stöhnen den steilen Berg hinaufgetragen und dort gelagert.

Zwischendurch blieb jedoch immer Zeit für die verschiedensten Pausen (Kuchen-, Mittags-, Ruhe-, oder Trinkpause) und das Gestalten der Umgebung der Hütte. Jann-Timo begann, eine "Müllterrasse" anzulegen, in die er übriggebliebene Fundamentsteine und anderen Bauschutt einarbeitete. Bald waren die Hütte und wir für die nächste große Bauphase bereit.
Diese erfolgte dann in den Herbstferien. Nach einem anstrengendem, aber schönen Stammeshajk begannen wir am Dienstag mit den Arbeiten. Die Wände wurden weitergebaut, bis sie schließlich eine Höhe von 180 cm hatten.
Nun wollten wir das Dach aufsetzen. Das war jedoch leichter gesagt als getan und erst nach einigen Telefonaten mit "Meister Uwe", der am Samstag zu uns stoßen wollte, ging es los. An den beiden kürzeren Seiten wurden die ersten Querbalken angebracht, die später das Dach tragen sollten und entsprechend dick waren.
Da die Hütte nun doch schon recht hoch war, musste ringsum ein Gerüst errichtet werden, auf dem wir dann später gemeinsam arbeiten konnten.

Leider mussten wir feststellen, dass uns eine Eiche neben der Hütte beim weiteren Bau stören würde. So fällten wir den Baum in einer mühevollen Prozedur, wobei Uwe, der uns zu Liebe schon am Freitag eingetroffen war, mit seiner Motorsäge die Hauptarbeit verrichtete.
Der gefällte Baum wurde dann zu einer Bank umfunktioniert, die seitdem unsere Terrasse schmückt.
Endlich konnten wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf das Dach richten. Zunächst markierten wir mit zwei Latten und einer Menge Kordel die Umrisse des späteren Giebels. Da wir das Dach mit Ziegeln decken wollten, musste die Dachschräge mindestens 22 ° betragen. Mit Uwes Hilfe wurden nun die exakt zugeschnittenen und zurechtgehobelten Längsbalken eingepasst und mit der Motorsäge an den Rändern angeschrägt.

Bei dieser Arbeit war Genauigkeit gefragt, und so wurde jeder Stamm genau ausgelotet und erst dann festgenagelt. Nach 3 Längsbalken benötigten wir wieder zwei schwere Querbalken und das Giebelgerüst wuchs und wuchs. Insgesamt wurden auf jeder Seite 4 Querstangen angebracht, auf denen die Schwindelfreien herumturnen konnten.
Und dann war es soweit: Die letzten Längsstangen waren angepasst worden und der First wurde aufs Dach gehievt. Es war Zeit für das Richtfest! Ein (schon etwas vertrockneter) Birkenzweig schmückte den "Pfaerscht" (Sprechweise des Hunoldstaler Zimmermannes) und ein leckerer Mohnkuchen wurde genüsslich verzehrt.
An den nächsten Tagen ging die Arbeit weiter.Um die Seitenwände und den First zu stabilisieren brachten wir außen zwei Stützbalken an und befestigten innen Abstützhölzer diagonal an First und Giebelwand. Nun musste das Dach mit Brettern vernagelt werden, wobei wir für beide Dachhälften ca. 800 Nägel benötigten.
Manche der Bretter mussten wegen den schiefen Querhölzern unterfüttert werden.

Bevor auch die zweite Dachseite abgeschlossen werden konnte, musste jedoch erst der Türrahmen angepasst werden. Beinahe wäre Annika in der Hütte eingeschlossen worden, doch sie konnte sich noch ins Freie zwängen, bevor das letzte Brett vernagelt wurde. Als nächstes wurden die Bretter an den Enden zurecht geschnitten und in vor sichtiger Arbeit mit Dachpappe verkleidet.
Jetzt konnten die Dachlatten in genau auf die Ziegel abgestimmten Abständen an den Brettern befestigt werden, wofür abermals ein Haufen Nägel benötigt wurde.
Nachdem wir entschieden hatten, wie die Ziegel angebracht werden sollten, war unser Können als Dachdecker gefragt. Doch mit vielen fleißigen Helfern konnte auch dieser Arbeitsgang schnell zu Ende geführt werden.

Unser Dach war jetzt so gut wie fertig und hält dem Regen seitdem meisterhaft stand. Nun konnte das Türloch gesägt und die überstehenden Wandstämme zurechtgeschnitten werden. Da sich mit den Arbeiten am Dach aber leider auch die Ferien dem Ende zuneigten, geschah diese Aktion unter erheblichem Zeitdruck. Der Bau war jedoch noch lange nicht beendet, und so trafen wir uns an einigen Samstagen nach den Ferien erneut im Hunoldstaler Wald.
Das nächste Ziel war es, die Tür einzusetzen und die Hütte für die Arbeiten am Boden vorzubereiten.
So wurden die Angeln am Türrahmen befestigt, die zukünftige Tür zurechtgesägt, (fast) alle Sägespäne in mühevoller Kriecharbeit aus der Hütte entfernt und die Fundamentsteine zurechtgerückt.

Nebenbei konnte auch schon eine Regenrinne angebracht werden. Außerdem verbrachten wir unsere erste Sippenstunde mit einem gemütlichen Feuer auf der Terrasse an der Hütte und aßen zum ersten mal in der (noch recht dunklen) Hütte.
An mehreren, nun schon etwas kälteren und kürzeren Herbsttagen setzten wir die Tür und später auch den Boden ein.
Hierfür mussten zunächst einige Balken auf die Fundamentsteine angepasst werden, die danach den Boden tragen sollten. Die für diesen vorgesehen Bretter mussten millimetergenau zurechtgeschnitten und -gelegt und schließlich auch festgeschraubt werden. Bis zum Dezember war auch diese Aufgabe erledigt, sodass die Hütte an der gemeinsamen Weihnachtsfeier unseres Stammes feierlich eingeweiht werden konnte.

Nächstes Jahr sollen dann die Ritzen mit einem Lehm-Stroh-Gemisch verschlossen und ein Fenster eingebaut werden.
Auch wenn die Arbeit sehr anstrengend war, hat sie uns bisher sehr viel Spaß gebracht, was hoffentlich bis zum Abschluss aller Arbeiten anhält.
Auch konnten wir immer wieder Gottes Führung und Bewahrung erfahren. So war das Wetter an fast allen Arbeitstagen sehr gut und es hat nur ein paar mal geregnet. Bei den Arbeiten wurde niemand verletzt, was beim Bau eines Hauses (und unseren Arbeitstechniken) nicht selbstverständlich ist. Die Kosten für die Materialien waren minimal, da wir die meisten benötigten Dinge umsonst bekamen. Allein die Tatsache, dass wir, die wir noch nie etwas derartiges durchgeführt hatten, mit dem Bau so weit gekommen sind, ist schon ein kleines Wunder.

Rike