Jubila im Sherwood Forest


15 Jahre Stamm Turmfalke Neu-Anspach

Etwas verloren wirkt die kleine Schar der ehemaligen Bewohner des Örtchens Hunseltown, die sich an diesem Juli-Tag auf einer Lichtung mitten im Sherwood Forest versammelt hat. Alles haben sie verloren, als sie vom habgierigen Sheriff von Nottingham von ihrem Land vertrieben wurden. Nun sind sie für immer Geächtete. Doch während die einen jammern und klagen, macht ihnen ihr Anführer Little John Mut: "Hier im Wald haben wir doch alles, was wir brauchen! Lasst uns hier eine neue Heimat aufbauen!". Gesagt, getan. Schon bald stehen die ersten Zelte, nach und nach entsteht ein kleines Dörfchen aus Kohten und Jurten und die ersten richten sich ihre Schlafplätze ein.

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Fast könnte man meinen, wir befänden uns wirklich im Sherwood Forest – so abgelegen und idyllisch liegt Kleinweinbach, wo das diesjährige Stammeslager der Turmfalken stattfindet. Gemeinsam mit Robin Hood und seinem Gefolge wollen wir hier die nächsten acht Tage verbringen und dabei das 15-jährige Bestehen unseres Stammes feiern. Denn wie ließe sich ein Stammesgeburtstag besser feiern als mit einem Lager?
Doch noch ist an Feiern nicht zu denken. Denn kaum haben die Geächteten die erste Nacht in ihrem neuen Zuhause verbracht und einen gemeinsamen Gottesdienst gefeiert, da taucht am Ufer des Baches ein Fremder auf und wird von Little John zum Stockkampf auf der Brücke herausgefordert. Der Fremde verliert den Kampf, aber als er aus dem Bach zurück auf die Brücke klettert, erlebt nicht nur Little John ein Überraschung: Der Besiegte ist Robin Hood, der Rächer der Enterbten, und er fordert die Hunseltowner auf, sich ihm anzuschließen. Die lassen sich nicht zweimal bitten und sind sofort mit Feuereifer dabei, als Robin Hood zur Sicherung des Lagers aufruft. Nachdem im Wald die benötigten Bäume gefällt worden sind, entsteht mitten auf der Wiese ein hölzerner Turm (so etwas darf auf keinem größeren Lager der Turmfalken fehlen!), der von Ferne etwas an ein abstraktes Kunstwerk erinnert. Wer nicht beim Turmbau hilft, bastelt derweil an nützlicher Lagereinrichtung wie einem Werkzeugständer oder einem Schuhregal für die Kohte.
Bei der bloßen Sicherung des Lagers soll es allerdings nicht bleiben. Robin Hood will dem Sheriff ein Schnippchen schlagen und das Geld der Geächteten zurückrauben. Bevor das geschehen kann, müssen die ehemaligen Bewohner Hunseltowns aber zunächst für den Überfall ausgerüstet und in Kampftechniken geschult werden. An verschiedenen Stationen kann man sich im Bogen- und Armbrustschießen üben, Stockkampf und Lanzenstechen üben oder sich von Robin Hood persönlich in die Kunst des Tarnens einweisen lassen. Und so sind die Geächteten bestens vorbereitet, als sie sich am Nachmittag an der nahe gelegenen Poststraße auf die Lauer legen, um die Kutsche zu überfallen, die das Gold des Sheriffs transportiert.
Der Überfall gelingt und Robin Hoods Leute machen fette Beute, doch die Männer des Sheriffs können fliehen und Hilfe holen. Schon bald ist das Gebiet umzingelt. Trotzdem gelingt es den Geächteten, das Gold mit Schnelligkeit, guten Verstecken (Goldbarren lassen sich auch in Schuhen verbergen, wenn man die Schmerzen nicht scheut) und vereinter Kraft durch die feindlichen Reihen hindurch zu schmuggeln. Ein solcher Erfolg muss gefeiert werden. Abends kommen alle in bester Laune in der Gemeinschaftsjurte am Feuer zusammen, als aus der Dunkelheit draußen eine holde Maid auftaucht: Es ist Lady Marian, die sich den Geächteten bei ihrem Kampf für Gerechtigkeit anschließen will. Robin Hood ist sofort hingerissen und die Lieder, die seine Leute an diesem Abend darbieten und in denen der Sheriff verspottet und Robin zum Helden erklärt wird, tragen sicher einiges dazu bei, dass Marian auch Gefallen an Robin Hood findet...
Trotz des gelungenen Kutsch-Überfalls ist allen klar: Dauerhaft kann nur der auf dem Kreuzzug verschollene König Richard Gerechtigkeit und Frieden bringen. Gerüchten zufolge soll er sich in der Nähe versteckt halten und so machen sich die Turmfalken in ihren Sippen auf die Suche nach Hinweisen. Zwei Tage lang durchwandern sie die Gegend, kochen überm Feuer, übernachten in Grillhütten oder unter einer Zeltplane im Wald und erleben so manches Abenteuer. Zwei Pfadfinderinnen wandern sogar 50 km, doch anstatt des Königs bringen die Gruppen von ihrer Wanderung nur einen fremden Ritter mit, der gerne bleiben möchte.
Robin Hood hat allerdings keine Zeit, sich näher mit ihm zu beschäftigen, denn er ist verzweifelt: Der Sheriff hat in Abwesenheit der Geächteten Lady Marian entführt und will sie nun auf dem Wasserweg nach Nottingham bringen, da er Robin Hood im Wald unterlegen ist. Zum Glück war Bruder Tuck in seiner Jugendzeit ein begeisterter Kanufahrer und so führt er die Turmfalken an die Lahn, wo sie im strömenden Regen mit den Kanus die Verfolgung aufnehmen. Gegen Mittag kommt die Sonne heraus, trocknet die nassen Sachen, sorgt für einige Sonnenbrände und treibt so manchen in die Fluten der Lahn. Das (freiwillige) Kentern einiger Kanus bremst die Verfolgungsjagd etwas, doch in Führfurt taucht endlich das Kanu des Sheriffs auf. Da Lady Marian weniger hilflos ist, als man meinen könnte, schlägt sie den Sheriff mit einem Paddel K.O. und so muss Robin Hood nur noch ins Wasser springen und das Boot an Land ziehen. Unter dem Jubel seiner Leute macht er seiner Geliebten schließlich einen sehr, sehr romantischen Heiratsantrag.
Gleich nach dem Lagergottesdienst am nächsten Morgen findet die Hochzeit statt, doch gerade, als Bruder Tuck Robin und Marian trauen will, legt der fremde Ritter Einspruch ein: Nur König Richard könne diese Vermählung genehmigen. Zum Glück muss das junge Paar nicht lange bangen: Der Ritter gibt sich als König Richard zu erkennen und Bruder Tuck erklärt Robin und Marian zu Mann und Frau. Die Hochzeitsfeier fällt zufällig auf den großen Jubiläumsfeierabend, zu dem auch ein paar Gäste erscheinen, und so sind die Sippen am Nachmittag ganz mit den Vorbereitungen für die Feierlichkeiten beschäftigt.
Nach dem Festessen wird es jedoch erstmal besinnlich - die Turmfalken versammeln sich zu einer Versprechensfeier im Sonnenuntergang auf einer über dem nahen Steinbruch gelegenen Lichtung. Im Fackelschein legen vier Jungpfadfinder ihr Pfadfinderversprechen ab. Danach geht es zurück in die Jurte, die mit Kerzen geschmückt ist. Ganz unterschiedliche Beiträge der verschiedenen Sippen (Lieder, Geschichten, Spiele und Theaterstücke), Fahrten- und Feierlieder, Sing- und Schreispiele sorgen für beste Stimmung und dafür, dass es noch eine lange Nacht wird. Wie jeden Abend erzählen die "alten Hasen" Erlebnisse aus den vergangenen Stammesjahren, während die Jüngeren zuhören, Marshmallows über dem Feuer brutzeln und sich den reichlich vorhandenen Tschaj schmecken lassen.
Am nächsten Morgen ist das Lager leider schon wieder vorbei, und obwohl das Wetter so manchen Regenschauer für uns bereithielt, wären die meisten sicher gerne noch länger geblieben. Wir sind dankbar, nicht nur für dieses Lager, sondern für die gesamten bisherigen Jahre unserer Stammesgeschichte und dafür, dass Gott uns stets zur Seite stand. Eine Woche Lager schweißt zusammen und nicht nur die Gemeinschaft wird uns in guter Erinnerung bleiben. Wenn wir uns zum nächsten Jubila versammeln, gibt es sicher einiges, was wir vom Jubila 2010 berichten werden: Neben den Erlebnissen mit Robin Hood auch von Schwimmnudelkämpfen, Kai-Hendriks Friseursalon, Tinas Lager-Uni, stinkenden Höhlenseen, eingestürzten Jurten, Mittagessen im koptischen Kloster, Schuhen in Matschlöchern und vom griechischen Wein, der zwar nicht getrunken, aber ausgiebig besungen wurde.
Erheben wir also unsere Tschaj-Becher: Auf die nächsten 15 Jahre Turmfalken, auf das nächste Lager, auf Jurtenabende, Lagerfeuer und auf Elisabeth!

tiri