Geburtstagsfeier auf Pfadfinder-Art


Jubiläumslager zum 20-jährigen Bestehen der Turmfalken

Es gibt Dinge, die müssen einfach sein: Geburtstag feiern gehört eindeutig dazu. Und wenn es sich dabei um den 20. Geburtstag eines Pfadfinderstammes handelt, macht man das natürlich am besten mit einem zünftigen Pfadfinderlager. Das dachten sich auch die 35 Turmfalken, die sich am 4. Juni auf dem DPSG-Bundeszeltplatz in Westernohe einfanden und bei strahlendem Sonnenschein ihre Kothen und Jurten aufstellten. Mit 20 Jahren Erfahrung war das natürlich schnell erledigt und so blieb am Nachmittag Zeit für die verschiedensten Aktivitäten: Während die einen wilden Spielen nachgingen, nähten die anderem im Schatten der Zelte an ihrem Sippenwimpel oder widmeten sich dem Bau eines großen Turms aus Fichtenstangen, der schon seit Jahren auf keinem Lager der Turmfalken fehlen darf.
Am Abend wurde das Jubila – das Jubiläumslager also – dann feierlich eröffnet: mit einer Andacht, vielen Pfadfinderliedern und einem Rückblick auf die Pfadfinderlager der vergangen 20 Jahre. Alle Lagerteilnehmer wurden dazu aufgefordert, zu überlegen, wann sie ihr erstes Pfadilager erlebt hatten. Am einfachsten war das natürlich für die vier Lager-Neulinge, die aber wie alle anderen ihr Bestes gaben, damit das Zusammenleben in dem kleinen Zeltdorf gut funktioniert: Die Jüngsten hatten es sich zur Aufgabe gemacht, immer für einen vollen Getränkebehälter zu sorgen, was bei der an diesem Fronleichnamswochenende herrschenden Hitze auch nötig war.
Am zweiten Tag war es besonders heiß, doch zum Glück stand eine Abkühlung auf dem Programm. Nach und nach machten sich die einzelnen Sippen auf den Weg und folgten den Waldläuferzeichen durch Wald und Wiesen zur etwa eine Stunde Fußmarsch entfernten Krombachtalsperre. Dabei mussten verschiedene Aufgaben erfüllt, Jubiläumslieder gedichtet und Blumensträuße gepflückt werden, bevor endlich der ersehnte kalte See erreicht war. Die Badebedingungen dort waren mangels Schatten und aufgrund vieler Algen zwar nicht ganz perfekt, regten aber die Kreativität an und führten zu Concentration-Runden im See und wilden Algen-Schlachten.
Der Rückweg vom See war dann wieder anstrengend, so dass die meisten den Tag ganz ruhig ausklingen ließen. Erst spät am Abend, als die Wölflinge und Jungpfadfinder schon in ihren Schlafsäcken lagen und die Sonne längst untergegangen war, wurden die wach gebliebenen Pfadfinder und Rover wieder richtig aktiv: Bei der Nachtversion des Spiels Flaggenraub robbten und rannten die Pfadis durch die Dunkelheit oder warteten einfach in aller Seelenruhe im Gebüsch auf einen Fahnenraubversuch der gegnerischen Mannschaft. Müde fielen schließlich auch die letzten auf ihre Isomatten, doch an Schlaf war noch lange nicht zu denken, da draußen plötzlich ein Sturm mit böigem Wind und Starkregen aufkam, sodass zunächst die Zelte gesichert und die jüngeren Lagerteilnehmer beruhigt werden mussten.
Gott sei Dank flaute der Sturm aber wieder ab, ohne einen Schaden hinterlassen zu haben, und am nächsten Morgen strahlte die Sonne wieder vom Himmel, als wäre gar nichts gewesen. Das war auch gut so, denn am Samstag wurden zur großen Jubiläumsfeier jede Menge Gäste erwartet. Nachdem die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten abgeschlossen waren, trudelten ab 14 Uhr die Besucher auf dem Lagerplatz ein: Eltern, Geschwister und Großeltern der Lagerteilnehmer, Mitglieder der Neu-Anspacher Christuskirche, befreundete Pfadfinder vom Breitscheider Stamm August-Hermann-Francke und auch einige ehemalige Turmfalken-Mitglieder. So kam es, dass sich die Anzahl der Personen im Turmfalkenlager mehr als verdoppelte. Zwischen den Zelten wurden Picknickdecken ausgebreitet und Klappstühle aufgebaut, kleine und große Kinder spielten auf der riesigen Wiese, alte Fotoalben wurden durchblättert und die Halstuchsammlung in der Ovaljurte bestaunt. Bei Kaffee, Zitronentee und einer reichen Auswahl an von den Gästen mitgebrachten Kuchen blieb viel Zeit für Gespräche – und Zeit, um in das Leben auf einem Pfadfinderlager reinzuschnuppern. Wer wollte, konnte Holz hacken, Feuer machen oder Stockbrot über der Glut rösten.
Am Nachmittag versammelten sich alle zum Jubiläumsgottesdienst, bei dem die Stammesgründerin Edine Rieck die Predigt hielt und einige ältere Pfadis von Situationen aus den vergangenen 20 Jahren berichteten, in denen sie Gottes Hilfe erfahren hatten. Zum Abendessen eröffneten die Schwarzen Mambas, Fledermäuse und Piranhas dann den Turmfalken-Dönerstand, der alle Pfadfinder und ihre Gäste mit einem leckeren Abendessen versorgte. Wer noch nicht müde war und sich noch nicht auf den Heimweg machen musste, blieb noch zur Jubiläumsfeier am späten Abend. Alle Sippen hatten einen unterhaltsamen Beitrag vorbereitet, es wurden Pfadfinderlieder gesungen und natürlich durfte auch der Tschaj, das traditionelle Pfadfindergetränk, nicht fehlen. Zuletzt zogen alle schweigend zu einer nahegelegenen Wiese, auf der vier Turmfalken ihr Jungpfadfinder- bzw. Pfadfinderversprechen ablegten und damit in die Stammesgemeinschaft aufgenommen wurden.
Da die Älteren es sich nicht hatten nehmen lassen, den Abend mit einer gemütlichen Lagerfeuerrunde ausklingen zu lassen, wurde die Nacht wieder kurz und leider stand am nächsten Morgen auch schon der Abbau des Lagers an. Nach dem Frühstück und der letzten Morgenandacht ging aber auch das schnell über die Bühne, so dass um 12 Uhr alles eingepackt war und die Teilnehmer wieder den Bus nach Neu-Anspach besteigen konnten. Vorher durfte aber natürlich eines nicht fehlen: Die große Abschiedsrunde, bei der das Lager mit dem Lied „Nehmt Abschied, Brüder“ abgeschlossen wurde. Wie immer waren alle traurig, dass das Lager schon wieder endete, waren es doch vier wunderschöne Tage mit bestem Wetter und einer tollen Gemeinschaft gewesen. Etwas leichter fiel der Abschied sicher den älteren Pfadfindern: Sie fahren im August aufs Bundeslager in der Nähe von Magdeburg und können dann neun Tage lang das Lagerleben genießen.


tiri