Kirchentag 2005

"Wenn dein Kind dich morgen fragt - gut, wenn du eine Antwort weißt!" Unter diesem Motto fand in Hannover vom 25. bis zum 29. Mai 2005 der 30. Evangelische Kirchentag statt. Mit dabei waren auch wir, neun Rover des Stammes Turmfalke Neu-Anspach ... Und wenn unsere Kinder uns eines schönen Tages fragen, was wir Fronleichnam 2005 gemacht haben (was sie allerdings voraussichtlich niemals tun werden) - dann werden wir eine Menge zu erzählen haben. Vielleicht werden wir uns im Sessel zurücklehnen, tief Luft holen und anfangen, zu berichten: Von der langen, beschwerlichen Zugfahrt von Neu-Anspach nach Hannover, die uns einen stundenlangen Aufenthalt im schönen Örtchen Bebra bescherte („Lieber gehe ich ins Gefängnis als noch einmal nach Bebra!") und erst gegen Mitternacht in unserer Quartierschule, dem Erich-Kästner-Schulzentrum im Stadtteil Laatzen, endete. Davon, wie wir halbtot in die Schlafsäcke krochen und wie uns am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein und blauer Himmel begrüßten. Und wir werden ihnen die Helferkarawane beschreiben, die sich in Richtung Messe schob, die Menschenmassen, die sich zwischen den Messehallen drängten, die blauen Kirchentagsschals, die uns überall entgegen leuchteten - und an dieser Stelle werden wir vielleicht unser grün-gelbes Helferhalstuch hervorkramen, an dem man schon von weitem die Helfer (darunter viele hundert Pfadfinder) erkennen konnte. Womöglich werden unsere Kinder dann langsam ungeduldig werden und wissen wollen, was wir denn nun eigentlich gemacht haben.  
Also werden wir auf unseren Helfereinsatz auf dem „Markt der Möglichkeiten" zu sprechen kommen und mit leidender Miene berichten, wie wir stundenlang vor Türen und verlassenen Notausgängen sitzen mussten, nur um alle halbe Stunde einem der bis zu 400.000 Kirchentagsbesucher den Weg zur Toilette zu erklären. Uns wird vermutlich einfallen, wie wir zur allgemeinen Erheiterung einen Männer- und einen Fraueneingang einrichteten und damit jede Menge Spaß hatten. Den Ärger, den wir deswegen mit der Hallenleitung hatten, werden wir wohl bereits vergessen haben und wir werden unseren Kindern vergnügt versprechen, irgendwann mal mit ihnen das bei dieser Aktion gedrehte Video anzusehen. „Ihr habt also nur gefaulenzt!", wird uns vielleicht vorgeworfen werden. Aber das werden wir energisch von uns weisen. „Wenn die Halle morgens geöffnet und abends geschlossen wurde, hatten wie jede Menge zu tun!", werden wir sagen. Schließlich mussten wir Scharen von Besuchern stets freundlich (was nicht immer einfach war) erklären, dass die Halle leider noch nicht geöffnet oder bereits geschlossen hatte, und der Satz „Entschuldigung, aber Halle fünf hat leider schon geschlossen!" wird uns wahrscheinlich noch immer in den Ohren klingen.
„Na toll - viel mitbekommen vom Kirchentag habt ihr dann ja nicht!", werden unsere Kinder vielleicht sagen. Aber dann ist die Zeit gekommen, ihnen von dem Wise-Guys-Konzert am Donnerstag (das war's wert!) mit sagenhaften 35000 Zuschauern zu erzählen - und von den Konzerten an den folgenden Tagen auf dem Messegelände, bei denen wir beinahe unter den letzten Strahlen der Sonne eingeschlafen wären. Und wir werden auch die letzten Essensmarken heraussuchen und ihnen von der wunderbaren Versorgung der Helfer vorschwärmen, von dem leckeren, stets reichlichen Essen in der „Münchener Halle" und unserem eigenen Klassenraum in unserer Quartierschule, in der es auch Frühstück gab.  
Wir werden unsere Gedanken weiter schweifen lassen und sehnsüchtig an das schöne Wetter (32 °C und fast wolkenloser Himmel) und das Kirchentags-Feeling zurückdenken ... und plötzlich werden wir feststellen, dass es unseren Kindern schon wieder gelungen ist, uns davon abzulenken, dass wir sie eigentlich ins Bett bringen wollten. Und wir werden beschließen, über den Kirchentag 2007 in Köln ein anderes Mal zu berichten.


tiri