Kirchentag 2007 in Köln

Es wird sicher den ein oder anderen geben, der sich fragt, warum um alles in der Welt man als Helfer auf einem Kirchentag mitmachen sollte. Stundenlange Hin- und Rückfahrt mit überfüllten Regionalzügen, anstrengender oder langweiliger Dienst in unterkühlten Messe-Hallen, sengende Hitze draußen und wundgelaufene Füße, schlaflose Nächte in stickigen Turnhallen: Das klingt alles nicht unbedingt nach einem angenehmen Wochenende, jedenfalls nicht für Außenstehende.
Jeder aber, der schon mal dabei war, weiß: Auf Kirchentagen Helfer zu sein ist absolut cool, und selbst das, was auf den ersten Blick abschreckend scheint, kann sich als sehr spaßige Angelegenheit herausstellen. Deshalb sollte es keinen verwundern, dass wir Turmfalken sofort dabei waren, als Helfer für den 31. Evangelischen Kirchentag gesucht wurden. Für manche von uns war es bereits der vierte Einsatz, wir wussten also genau, was auf uns zukommt.
„Lebendig und kräftig und schärfer" lautete in diesem Jahr das Motto, zu dem sich mehrere zehntausend Christen aus ganz Deutschland in Köln versammelten, da durften wir - elf Rover aus unserem Stamm - natürlich keinesfalls fehlen. Die Hinfahrt war wie immer lang und beschwerlich, bot aber wieder einmal Gelegenheit, neue Geschichten für langweilige Lagerfeuerrunde zu sammeln: Wie einer von uns verloren ging, als er, ohne unseren Zielort zu kennen, einfach in eine Straßenbahn stieg oder wie zwei andere bis weit nach Mitternacht die halbe Stadt vom Dom bis zu unserer Quartiersschule in Mühlheim durchquerten, weil die öffentlichen Verkehrsmittel total überfüllt waren.
Nach unserer Anmeldung in der Messe machten wir uns gleich auf dem Weg zu unserer diesjährigen Schlafstätte: Der Lasalle-Realschule. In Hannover waren wir den Komfort mehrerer „eigener" Klassenzimmer gewohnt gewesen, deshalb traf uns alle (beinahe) der Schlag, als wir erfuhren, dass wir zusammen mit nicht wenigen anderen, oftmals schnarchenden Helfern, in der Turnhalle nächtigen mussten. Aber das konnte uns natürlich nicht schocken: Die einen legten sich einfach in die Hecken auf dem Schulhof, die anderen zogen sich in ein Geräte-Kabäuschen zurück und der resignierende Rest wusste genau, dass man sowieso irgendwann so müde sein würde, dass man überall schlafen kann.
Am nächsten Morgen begann dann unser täglicher Dienst auf der Messe. Dieses Jahr hatte es uns in die Halle sechs verschlagen,  die sich ganz dem Themengebiet „Medien und Weltwissen" widmete. Meist ging es in „unserer" Halle recht beschaulich zu, wir waren weit davon entfernt,  die Schilder mit der Aufschrift „Halle überfüllt" herauskramen zu müssen. Unser Dienst war daher ziemlich ruhig und unser Hallenleiter war genau wie wir der Meinung, dass es wenig Sinn machte, an verlassenen Eingängen herum zu hocken. Stattdessen waren wir die Leute für die Spezialeinsätze: Bühnenumbauarbeiten, Material aus dem Lager holen, Handouts für Vorträge beschaffen oder ... äh ... faulenzen.
Aber wenn uns langweilig war, konnten wir ja immer noch Helferkekse futtern oder vor der Halle Frisbee spielen. Außerdem hatten wirnatürlich auch viel Freizeit. Wie immer auf Kirchentagen brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel und so sahen wir von langen Wanderungen durch die Stadt ab und verbrachten unsere Nachmittage stattdessen zum großen Teil faul im Schatten der Bäume des Tanzbrunnens oder in den Zelten der „Sandburg". Einige wagten sich in Diskussionsveranstaltungen zu verschiedenen Themen, schließlich waren die Messeräume immer angenehm kühl.
Abends lockten dann diverse Konzerte der unterschiedlichsten Musikrichtungen und trotz des anstrengenden Tagesprogramms waren wir natürlich auf einigen vertreten. Am lustigsten war vielleicht das Konzert einer Irish-Folkrock-Band, bei dem wir uns verschwitzt in wilde Tänze stürzten. Einen Abend besuchten wir außerdem die gemütliche Helferkneipe, auf der Suche nach einer lang ersehnten Cola. Auf den bequemen Sofas verbrachten wir den Abend vor allem mit spontanen und lang andauernden Lachanfällen.
Ein weiter wichtiger Programmpunkt war natürlich das Essen. An dem gibt es bei Kirchentagen in der Regel nichts auszusetzen. Frühstück gab es morgens reichlich in der Schule, mittags und abends wurden in der Helferhalle mehrere warme Speisen angeboten, außerdem lockte eine Salatbar. An einem der Tage trafen wir beim Essen sogar auf Wolfgang Schäuble, den wir dann aber scheinbar durch unser lautes „Guten Hunger" vertrieben haben.
Und so gingen die Tage dahin, die Nächte wurden immer kürzer und wir immer müder, aber wir schafften es trotzdem jeden Morgen aus dem Schlafsack. Wach wurden wir dann beim Duschen, denn die Duschen unserer Turnhalle waren immer für eine Überraschung gut: Entweder waren brühend heiß (sehr schlecht) oder sie waren eiskalt (bei der Hitze, die in Köln herrschte, nicht soo schlimm).
Und so kam es, wie es kommen musste: Der Kirchentag näherte sich dem Ende. Kaum war es Samstagabend, begann auch schon die Abbaunacht, die uns bis weit nach Mitternacht von unseren Schlafsäcken fernhielt. Wie die Heuschrecken machten wir uns über hunderte von Papphockern her, die wir in Akkordarbeit auseinanderbauten und stapelten. Kaum war das geschafft, fegten wir (ohne technische Hilfe!) eine komplette Messehalle, was sich nur durch Wortspiele mit „Fegefeuer" und anderen Bergriffen ertragen ließ. Nach einer kleinen Abschlussfeier mit allen Hallenhelfern kehrte wir ein letztes Mal in unsere Turnhalle zurück.
Nach der kürzesten Nacht des Kirchentages (unsere Mitbewohner waren schon um 4 Uhr laut singend aufgestanden) fuhren wir erschöpft, aber mit vielen tollen Erinnerungen beladen, nach Hause. Eines ist natürlich klar: 2009 in Bremen sind wir wieder dabei!

Rike