Pfadikraxeln 2002

Mitarbeiterwanderung bei Oberstdorf, 05.-10.10.2002

Samstag, 05.10.2002, 10:16 Uhr.

Nachdem wir fast eine Stunde damit zugebracht hatten, unser Gepäck noch einmal umzupacken, die Gruppenausrüstung und -verpflegung aufzuteilen und uns ordentlich zu verabschieden ging es endlich los.
Wir waren, wie Tobi es etwa ein Jahr früher vorgeschlagen hatte, auf dem Weg nach Oberstdorf, um dort einige Tage Hüttenwandern zu gehen. Geplant war, zunächst einige Tage in Oberstdorf zu bleiben und dann etwa drei Tage lang in den Bergen den Heilbronner Weg zu gehen.
Bereits 20 Minuten später stellten wir fest, dass wir einen Teil unserer Verpflegung vergessen hatten. Aber spontan und organisiert, wie wir waren war das natürlich kein Problem für uns: Kurzerhand gingen Tobi und ich in Bad Homburg noch in den Supermarkt und alles lief wieder seine geregelten Bahnen - alles ? Nicht ganz. Bereits erneute zwanzig Minuten später, wir saßen gerade gemütlich in einem leeren Interregio auf dem Frankfurter Hauptbahnhof, da fiel uns auf, dass wir ja mit unserem Wochenendticket überhaupt nicht mit diesem Zug fahren durften.
Also hieß es wieder Rucksäcke schultern und zur Bahninformation gehen. Dort bekamen wir sofort eine neue Verbindung, allerdings mit einem kleinen Nachteil gegenüber der alten: Wir kamen erst ca. 3 1/2 Stunden später an als geplant, also gegen 21 Uhr.
Dies lag allerdings auch daran, dass einer unserer Züge am Bahnhof Eislingen einfach nicht mehr startete. Dies hatte zur Folge, dass erstmal die Lok vom hintersten Wagen der Bahn an den vordersten umgekuppelt werden musste, was überigens von eifrigen Bundesgrenzschutzbeamten sorgsam überwacht wurde. Um es kurz zu sagen: Das Ganze geschah so langsam, dass wir unseren Anschlusszug verpassten.
Auch diese Tatsache konnte uns jedoch nicht schocken, gewannen wir doch so eine Stunde Aufenthalt auf dem Ulmer Hauptbahnhof. Da sich so langsam der Abend näherte, beschlossen wir kurzerhand, uns etwas zum Essen zu kochen, direkt auf dem Bahnsteig. Einige Gleisarbeiter beäugten uns zwar zunächst etwas kritisch, waren aber sehr tolerant.
Gegen 21 Uhr, es war bereits einige Stunden dunkel, kamen wir also in Oberstdorf an. Das nächste Problem drängte sich geradezu auf, nämlich, wo wir schlafen sollten. Als verantwortungsbewusste Pfadfinder konnten wir es natürlich nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, einfach einen Campingplatz aufzusuchen.
Wir gingen also durch die Innnenstadt in Richtung Ortsausgang und fragten einfach in einigen Hotels, wo man denn in der Nähe schlafen könnte. Ein Hotelier erklärte sich dankenswerterweise bereit, uns auf eine Art Grillplatz außerhalb zu fahren, wo wir dann unsere Kohte direkt am Ufer der Stillach aufbauten und gemütlich schlafen gingen.

Sonntag, 08.10.2002

Der nächste Tag begrüßte uns ziemlich feucht. Über Nacht hatte es so stark geregnet, dass sich das gesamte Innere unserer Kohte mehr oder weniger in eine große Pfütze verwandelt hatte. Da unter diesen Umständen eigentlich niemand richtig Lust hatte aufzustehen begannen wir den Tag offiziell mit einem ausgedehnten Frühstück im Schlafsack.
Den Rest des Vormittags brachten wir damit zu, die Kohte abzubauen und zu überlegen, wie wir unsere Sachen trocken bekommen könnten. Auch hier gingen wir auf dem Weg zurück nach Oberstdorf einfach mal in einen Gasthof und fragten dort nach Hilfe. Diese wurde uns sofort und gerne gewährt: wir durften nicht nur dort im Heizungskeller unsere Ausrüstung trocknen, sondern wurden auch noch auf einen großen Teller Schinkennudeln eingeladen, was wir dankbar annahmen.Doch damit noch nicht genug. Der Gastwirt organisierte uns gleich noch einen Heuschuppen, in dem wir die nächste Nacht trocken und warm verbringen konnten.
Den Rest jenes Regentages verbrachten wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch Oberstdorf.

 

 

 

Montag, 07.10.2002

Gestärkt von einer trockenen, warmen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns gegen 08:00 Uhr auf den Weg nach Oberstdorf. Wir stellten unser übriges Gepäck wieder im Gasthof unter und frischten unseren Nahrungsvorrat noch im Supermarkt auf und versorgten uns mit den aktuellen Wetter- und Schneevoraussagen. Da die Hütten am Heilbronner Weg leider schon geschlossen waren, entschieden wir uns, den Mindelheimer Klettersteig zu gehen, auch wenn wir noch nicht wussten, ob das bei Schnee und Eis und ohne Kletterausrüstung überhaupt möglich seinwürde. Ab Oberstdorf fuhren wir also mit dem Bus nach Birgsau.
Die nächsten Stunden führten uns nun an einigen kleinen Hütten vorbei durchs Rappenalptal. Das Wetter war inzwischen wieder besser. Zwar war der Himmel grau und wolkenbedeckt, aber trotzdem war es trocken und - glücklicherweise - nicht zu warm. Dies war auch der Grund dafür, dass wir sowohl an diesem, als auch am nächsten Tag kaum andere Wanderer trafen.
Nach einer kurzen Mittagspause gegen 14:00 Uhr passierten wir schließlich die Schneegrenze auf 1700m. Von nun an führte uns unser Weg durch die Wolken und es wurde feucht und nebelig. Dies gab sich jedoch kurze Zeit später, als wir die Wolken unter uns gelassen hatten und nur noch strahlenden Sonnenschein hatten.
Etwa um 16:00 Uhr erreichten wir unser Tagesziel: Die Mindelheimer Hütte, auf 2067m Höhe. Zu unserer Überraschung hatten wir sie, abgesehen vom Hüttenpersonal, ganz für uns alleine.
Nach einer längeren Aufwärmpause bestiegen wir noch das Kemptner Köpfle (2197m) und erkundeten dabei die ersten Meter des Klettersteiges, der sich jedoch durch den Schnee als sehr schwer begehbar erwies. So kehrten wir zur Hütte zurück und ließen den Abend dann ganz gemütlich mit ein paar Käse-Schinken-Nudeln am Ofen ausklingen.

 

Dienstag, 08.10.200

>Am folgenden Morgen wurden wir um 08:00 Uhr von einem wahren Bilderbuch-sonnenaufgang geweckt.
Nach dem Frühstück machten wir uns bei wunderschönem Sonnenschein und weiter Sicht auf dem Mindelheimer Höhenweg in Richtung Fiderepasshütte auf, denn der Klettersteig schien uns etwas zu gefährlich. Im Sonnenschein wurde es uns zwischendurch so warm, dass wir uns teilweise, obwohl nur kurzärmlig angezogen, in der Pause im Schnee in den Schatten setzten.
An diesem Tag versuchten wir noch, den nördlichen Schafalpenkopf zu besteigen, scheiterten dann jedoch an fehlender Kletterausrüstung und zu viel Schnee.
Letzteres bereitete uns auch später, beim Abstieg vom Fiderepass zur Hütte: Der steile Weg war offenbar länger nicht begangen worden, sodass wir uns durch teilweise hüfthohen Schnee kämpfen mussten. Dabei wurden wir von den Tagesgästen, die auf der Hüttenterasse gemütlich Kaffee tranken beobachtet, wie wir nun halb gingen und halb den Hang hinunterrollten. So sorgten wir gleich für die angemessene Belustigung der anderen Hüttengäste.
Den Rest des Tages verbrachten wir damit, unsere vom Abstieg klitschnassen Klamotten zu trocknen und uns wieder aufzuwärmen. Abends saßen wir dann noch zusammen mit ein paar anderen Hüttengästen am Ofen und unterhielten uns noch etwas mit ihnen.

 

Donnerstag, 09.10.2002

An diesem Tag machten wir uns, vergleichsweise spät wieder auf den Abstieg in Richtung Oberstdorf, wieder bei genialem Wetter. Beim Frühstück beobachteten wir noch die Bemühungen zweier Gruppen, den von uns am vorherigen Tag bewältigten Tiefschneeabstieg in umgekehrter Richtung zu bewältigen.
Danach ging es nun wieder talwärts zur Fellhornbahn-Talstation, von wo aus es wieder mit dem Bus nach Oberstdorf ging. Den Tag verbrachten wir dort mit einkaufen, kochen und einem Besuch im Thermal-Wellenbad. Nach einer weiteren komfortablen Nacht in "unserem" Heuschuppen fuhren wir am folgenden Tag wieder zurück nach Neu-Anspach.
Abschließend läßt sich nur sagen, dass dieser Bericht, obwohl er nun wirklich ein bisschen lang geworden ist, keinesfalls ausreicht, um all unsere Erlebnisse komplett zu schildern. Diese Fahrt war zwar kurz, aber sehr erlebnisreich und wird sicherlich jedem von uns noch lange in Erinnerung bleiben.

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