Auf der Jagd nach Mr X


Stadtgländespiel der Breitscheider und Neu-Anspacher in Frankfurt

11:27 Uhr     Frankfurt Hauptbahnhof
Draußen ist es trüb, feucht und grau, doch das stört die etwa 35 Pfadfinder der BPS-Stämme aus Breitscheid und Neu-Anspach, die sich an diesem Samstagvormittag an Gleis 10 versammelt haben, wenig. Schließlich werden sie die nächsten Stunden ausschließlich in U- und S-Bahnen sowie in den meist unterirdisch gelegenen Bahnhöfen in der Frankfurter Innenstadt verbringen – da kann das Wetter draußen sein wie es will. Was die Pfadis dazu bewegt, stundenlang scheinbar sinnlos in der Gegend herum zu fahren? Die Jagd nach Mr X oder eher gesagt nach der Mr X-Sippe, die versuchen muss, so lange wie möglich von den Agentensippen unentdeckt zu bleiben. Ungefähr so wie beim Brettspiel Scotland Yard – nur etwas größer und mit echten Verkehrsmitteln.

12:15 Uhr     Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 102
Die erste Mr X-Sippe hat sich längst aus dem Staub gemacht, als 10 Minuten später die Agentensippen mit der Jagd beginnen. Ausgestattet sind sie mit dem Liniennetzplan der Frankfurter Innenstadt und mehr oder weniger ausgeklügelten Taktiken, wie sich Mr X am besten fangen lässt. Völlig im Dunkeln tappen die Agenten aber nicht: Alle 20 Minuten kann man bei der Telefonzentrale von Scotland Yard den aktuellen Aufenthaltsort und die weiteren Pläne der Mr X-Sippe erfragen – oft genug ein Grund, die eigenen Pläne wieder komplett über den Haufen zu werfen.

12:25 Uhr     U-Bahnhof Schweizer Platz
Die Sippe GepardiX ist auf der Flucht vor den Agenten. Vor 10 Minuten hat die Jagd begonnen. Gerade studieren sie den Fahrplan der U-Bahnen und überlegen, wie es weitergehen soll. Da plötzlich vernehmen sie eine bekannte Stimme am anderen Ende des Bahnsteigs – die Pumas sind im Anmarsch! Sollte die Flucht etwa schon nach zehn Minuten beendet sein? Nicht mit den Geparden! Schnell gehen die vier Mädels hinter einem Getränkeautomaten in Deckung, während die Pumas an ihnen vorbei ziehen, nicht ahnend, wie nah sie in diesem Augenblick der Mr X-Sippe sind. Die Geparden freuen sich über diese Unaufmerksamkeit, denn fürs erste sind sie gerettet.

13:11 Uhr     U-Bahnstation Alte Oper
Schon fast eine Stunde ist die Sippe GepardiX als Mr X-Sippe unterwegs. Werden sie heute die Gewinnersippe sein? Die U-Bahn, in der sie sitzen, fährt in die U-Bahnstation Alte Oper ein, als eine der Geparden die Pumas am Bahnsteig bemerkt – leider zu spät! Die Pumas haben die Geparden bereits entdeckt und freuen sich, dass Mr X in ihre Falle getappt ist. Ein Anruf in der Telefonzentrale von Scotland Yard genügt, dann ist es offiziell: Die Pumas sind die neue Mr X-Sippe, übernehmen die bauen Markierungsbänder von den Geparden und treten nun ihrerseits die Flucht an.

14:07 Uhr     Konstablerwache
Die Pumas ärgern sich schwarz. Nur drei Minuten hätten ihnen noch gefehlt, dann wäre die Zeit der Geparden als Mr X-Sippe eingestellt gewesen. Drei Minuten, nicht mehr. Kein Problem eigentlich, doch dann waren die Pumas an der Konstablerwache gleich von zwei Sippen gestellt worden: Der Gruppe Hugo und den Junkie Monkeys. Pech für die Pumas! Und auch von den anderen beiden Sippen darf sich nur eine freuen, denn in einem Fall wie diesem entscheidet die Telefonzentrale von Scotland Yard, welche Sippe Mr X wird. Das Los fällt auf die Gruppe Hugo, die sofort die Flucht ergreift, während die Junkie Monkeys enttäuscht zurück bleiben.

14:20 Uhr     Bahnhof Ostendstraße
Aufregung bei der Agentensippe der Piranhas, denn die Telefonzentrale meldet den neuesten Hinweis: „Die neue Mr X-Sippe ist die Gruppe Hugo. Sie befinden sich an der Hauptwache und nehmen die S-Bahn Richtung Darmstadt.“ Hauptwache? Die ist doch nur zwei Stationen von der Ostendstraße entfernt! Und der Zug Richtung Darmstadt? Müsste in drei Minuten hier eintreffen! Alle sind sich einig: „Das ist unsere Chance!“. Gesagt, getan. Kaum ist die S-Bahn eingetroffen, wird schnell der letzte Wagon bestiegen, dabei aber gleichzeitig der Bahnsteig im Auge behalten, damit die Gruppe Hugo nicht unbemerkt aussteigen kann. Als die S-Bahn anfährt, setzen sich auch die Piranhas in Bewegung und durchkämmen den Wagon von hinten nach vorne – keine Spur von Mr X. Aber noch ist nichts verloren. An der nächsten Station wird blitzschnell der Wagon gewechselt, doch auch das Durchsuchen des zweiten Wagens führt nicht zum Ziel. Wo ist nur Mr X? Eine Mitreisende schaltet sich ein: „Wenn ihr die Pfadfinder sucht, die sind schon an der Konstablerwache ausgeschieden!“. An der Konstablerwache? So ein Mist, das war eine Station bevor die Piranhas zugestiegen sind. Enttäuschung macht sich breit, aber noch bleibt ja fast eine Stunde, um Mr X zu fangen und selbst zum Gejagten zu werden…

15:30 Uhr     U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz
Das Spiel ist aus, Mr X-Sippe und Agenten sind wieder friedlich vereint und das schlechte Wetter scheint es nie gegeben zu haben. Stattdessen strahlt die Sonne vom Himmel, als sich die Pfadis auf den Weg zum Main machen, wo sie auf einem Spielplatz ihr „Lager“ aufbauen. BoLi und einige Helfer haben schnell eine Art Buffet mit Baguette, Wurst, Käse, Obst und Gemüse aufgebaut und schon bald sitzen die meisten auf den Bänken, essen und genießen den angenehm warmen Oktobertag. Einige toben auf dem Spielplatz herum, aber die meisten nutzen die Gelegenheit, um sich mit den Freunden aus dem jeweils anderen Stamm zu unterhalten. Und natürlich darf auch die Siegerehrung nicht fehlen. Drei Sippen waren als Mr X unterwegs und haben sich jeweils etwa eine Stunde unentdeckt halten können. Am längsten durchgehalten hat dabei die Gruppe Hugo mit genau 68 Minuten.

16:40 Uhr     Mainufer, Frankfurt
Viel zu schnell kommt der Moment des Abschieds. Mit einem großen Abschiedskreis geht das Stadtgeländespiel samt Picknick zu Ende und die beiden Stämme machen sich getrennt auf den Heimweg gen Taunus und Westerwald. Es wird die letzte Bahnfahrt für heute sein, aber vielleicht folgen bald ja schon wieder viele weitere – wieder auf der Jadg nach Mr X. „Schließlich wollen wir auch mal Mr X sein!“, sagt nicht nur die Gruppe Messeturm…

tiri