Ökumenischer Kirchentag
2 8 .  M a i  b i s  1 .  J u n i  2 0 0 3  i n  B e r l i n


"Ihr sollt ein Segen sein" - so lautete das Motto des diesjährigen, erstmals ökumenischen  Kirchentages in Berlin. Mit dabei waren allein über zweihunderttausend angemeldete Teilnehmer, mehrere tausend unangemeldete Besucher - und wir, eine zehnköpfige Gruppe von Mitarbeitern unseres Stammes Turmfalke. Als Helfer sollten wir im Zentrum Jugend die Station ‚Getränkekistenklettern' betreuen.
Los ging es am Mittwoch, den 28. Mai um halb neun Uhr morgens. Weil dieser Tag eigentlich noch ein Schultag war, wurden wir von der Schule befreit.
Vom Neu-Anspacher Bahnhof aus fuhren wir, nicht ohne ein paar Mal umzusteigen, nach Berlin Friedrichsstraße. Schon im Zug lernten wir eine Gruppe katholischer Pfadfinder kennen, die ebenfalls zum Kirchentag reisten.
Je näher wir der Hauptstadt rückten, desto voller wurden die Züge und desto ärger wurden die Kämpfe um Sitzplätze. Als wir nach neun Stunden anstrengender Fahrt  endlich in Berlin ankamen, fuhren wir noch etwa eine Dreiviertelstunde mit U-Bahn und Bus in der Gegend herum, bis wir endlich unseren Zeltplatz, einen umfunktionierten Sportplatz beim Flughafen Tempelhof, erreichten. Der Zeltplatz beherbergte nicht nur Pfadfinder von allen möglichen Bünden - es waren sogar welche aus Südafrika vertreten -, sondern auch einige Jugendgruppen. Und er besaß, welch eine Wohltat, „richtige" Toiletten, Waschräume und Duschen.
Nachdem wir gegen acht Uhr abends unsere beiden Kohten aufgebaut und uns ein wenig eingerichtet hatten, zogen wir los, um unseren Arbeitsplatz im Zentrum Jugend (rund ums Tempodrom) zu besichtigen. Er lag nur einige Minuten Fußweg und zwei U-Bahnstationen von unserem Zeltplatz entfernt.
Es dauerte eine Weile, bis wir die für uns zuständige Person - „die Anja" - gefunden und erfahren hatten, dass es noch einige Probleme mit dem Kran und den Colakisten gab. Spontan packten wir dann noch ein wenig mit an. Denn Arbeit gab es genug im Zentrum Jugend, und wenn man sich das bunte Durcheinanderrund um das Tempodrom betrachtete, konnte man kaum glauben, dass hier morgen alles seine feste Ordnung haben sollte.
Noch am gleichen Abend sprachen wir ab, wer mit wem in welcher Gruppe sein sollte und wann welche Gruppe Schicht hatte. Insgesamt sollte unser Stand von 10 bis 19 Uhr geöffnet sein; also gab es drei Schichten von je drei Stunden.
Die erste Gruppe, die „Vagabunden" - bestand aus Manuel, Nils und Christian; Michael, David, Kerstin und ich bildeten die zweite Gruppe, und die letzte Gruppe bestand aus Rike, Annika und Tobi.
Am Donnerstagmorgen brauchte es geraume Zeit, bis wir unseren Kran hatten und wir mit einigen erbettelten Kisten loslegen konnten.
Zwar waren unsere Schichten lang, hart und heiß, und nicht nur Michael holte sich Sonnenbrand. Es war anstrengend, drei Stunden lang in der prallen Sonne zu stehen - und trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht, mitzuarbeiten, neue Leute kennen zu lernen und einfach unseren Job zu machen - den Teilnehmern in die Klettergurte hineinzuhelfen, sie zu sichern, ihnen Kiste für Kiste anzureichen und sie durch aufmunternde Worte anzufeuern.
Zwischen den Schichten konnten wir zu kostenlosen Konzerten im Tempodrom, z.B. von Judy Bailey oder Beatbetrieb, gehen, wir sahen uns die verschiedenen Zelte im Zentrum Jugend an, fuhren mit U- und S- Bahn kreuz und quer durch die Stadt, besuchten das Brandenburger Tor, den Alexanderplatz, den Fernsehturm und das Reichstaggebäude, machten Jagd auf die gelben Tücher und die lila Bänder, die auf dem Kirchentag verkauft wurden, und aßen jede Menge Eis und Döner. So mancher schmuggelte sich auch in die Messe ein, in die man eigentlich nur mit einer Eintrittskarte hineinkam. Doch als Pfadfinder waren wir überall willkommen.
Unser Abendprogramm sah meist nicht wesentlich anders aus. Oft setzten wir uns einfach in irgendeine Bahn und stiegen an einer vielversprechenden Haltestelle aus. Einmal besichtigten wir die legendäre Sonnenallee, wobei wir zu unserem Leid erfahren mussten, dass der gleichnamige Film dort überhaupt nicht gedreht worden war.
Jeden Abend kamen wir erst spät zurück. Die Nächte waren zudem nicht sehr erholsam, da in der Jurtenburg, in der es morgens Frühstück gab, die ganze Nacht hindurch laute Musik gespielt wurde. Der Zeltplatz war also nachts fast so belebt wie tagsüber.
Trotz allem quälten wir uns jeden Morgen aus unseren Schlafsäcken, gespannt, was wir an diesem Tag erleben sollten.
Am letzten Abend besuchten wir die Abschlussfeier im Tempodrom, bei der Interviews mit den Verantwortlichen verschiedener Konfessionen geführt, ein Film mit den schönsten Bildern aus dem Zentrum Jugend gezeigt und der Abschlusssegen gesprochen wurde. Außerdem gab es natürlich Musik von verschiedenen, bunt gemischten Bands.
Der Abreisetag begann ebenso sonnig wie die vorhergegangenen Tage. Unser Zug sollte um zehn Uhr abfahren, und um auf gar keinen Fall zu spät zu kommen, fuhren wir schon um kurz nach neun mit dem Bus zum Bahnhof. Der Abbau war nach einem guten Frühstück ruhig und ohne Stress vonstatten gegangen, sodass wir noch Zeit gehabt hatten, die Kohtenbahnen in der Sonne zu trocknen.
Es zeigte sich, dass die Züge auf der Rückfahrt ebenso voll waren wie auf der Hinfahrt, wenn nicht noch voller. Oft hatte ein Großteil von uns gar keinen Sitzplatz. Trotzdem hatten wir auch auf der Rückreise viel Spaß, obwohl wir alle sehr müde und erschöpft waren.  
Weil wir mit einiger Verspätung in Friedrichsdorf ankamen und damit den Anschlusszug verpasst hatten, ließen wir uns von einigen Eltern abholen.
Insgesamt haben wir in Berlin trotz aller Strapazen, der Arbeit in der prallen Sonne, unserer kurzen Nächte und müden Füße fünf wunderschöne Tage verbracht und konnten immer wieder Gottes Bewahrung erfahren. Dieser erste Ökumenische Kirchentag wird uns allen in guter Erinnerung bleiben und wir hoffen, dass wir auch auf dem nächsten Kirchentag 2005 in Hannover wieder aktiv mit dabei sein können.
  
by tiri