"Nasser Fleck" 2005: Der Name ist Programm

Erstes Pfingtslager der Region Mitte

"Ich will auf Gottes Wort hören und danach leben. Ich will jederzeit helfen und mein Bestes tun. Ich will das Jungpfadfindergesetz befolgen." - Etwas schüchtern stehen einige Jungen und Mädchen vor ihrem Sippenführer und legen ihr Jungpfadfinderversprechen ab. Als sie zum Zeichen, dass sie in die Gemeinschaft der Pfadfinder aufgenommen sind, ihre grün-roten Halstücher umgelegt bekommen, spenden ihnen die etwa neunzig anderen versammelten Pfadfinder anerkennend Beifall. Eine ganz normale Verpechensfeier, wie sie auch auf dem BPS-Pfingstlager der Region Mitte nicht fehlen darf. Eine ganz normale Versprechensfeier?! Glühbirnen statt Fackeln, Fußbodenheizung statt Lagerfeuer und eine Holzdecke statt des bewölkten Himmels draußen? Moment - da kann doch irgendetwas nicht stimmen. In der Tat, wir befinden uns nicht auf dem Zeltplatz „Nasser Fleck" bei Butzbach, wo das Lager eigentlich stattfinden sollte, sondern in den Räumen der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Neu-Anspach. Was ist geschehen?
Alles hatte begonnen, wie man es sich von einem Pfafinderlager nur wünschen kann: Warm stand die Sonne am Himmel, als die Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Neu-Anspach, Breitscheid, Rheinbach, Essen und Bad Arolsen am Freitagnachmittag am „Nassen Fleck" eintrafen. Während die einen noch die traditionellen Schwarzzelte - Kohten und Jurten - aufbauten, trug der Wind andernorts bereits Gitarrenklänge über den Lagerplatz und der Geruch nach Lagerfeuer lag in der Luft. Auch bei der feierlichen Lagereröffnung konnte noch niemand ahnen, was für ein abruptes Ende dieses Lagerleben finden würde, denn schon am nächsten Tag begann der Platz, seinem Namen alle Ehre zu machen. Es regnete und regnete, und auch die Gebete und der weiterhin fröhliche Gesang konnten dem Wolkenbruch kein Ende bereiten. Was aber tut man, wenn die wenigsten Kinder noch trockene Schuhe und Jacken haben, wenn die ersten Schlafsäcke in schmutzig braunen Pfützen schwimmen und sich der Lagerplatz langsam in einen Sumpf verwandelt? Das Lager abbrechen? Nein! Nicht, wenn es noch eine Alternative gibt...
Und so zogen die nassen und dreckigen Pfadfinder mit Sack und Pack gen Neu-Anspach, wo sie in den Gemeinderäumen für die nächsten beiden Tage einen Unterschlupf fanden. Wer die Räumlichkeiten kennt, weiß, dass es eine gewaltige Herausforderung war, all die Kinder unterzubringen und das Chaos zu bändigen, das nach der überstürzten Abreise ausgebrochen war.
Doch trotz allem ließ sich die gute Laune nicht vertreiben; der bunte Abend mit vielen spontanen Beiträgen und die feierliche Versprechensfeier wurden ein voller Erfolg. Nur die Gemeindemitglieder waren wohl ein wenig überrascht, als sie am nächsten Morgen beim Pfingstgottesdienst den halben Gottedienstraum bereits von Pfadfindern bevölkert vorfanden. Dennoch wurden die Lagerteilnehmer herzlich willkommen geheißen. Auch das Wetter zeigte sich an diesem Tag von seiner besseren Seite, und da es zumeist trocken blieb, konnten die einzelnen Programmpunkte, spontan den Gegebenheiten angepasst, stattfinden. In einem Geländespiel wurden die Pfadfinder zurück ins Jerusalem zur Zeit der Jünger Jesu versetzt. Um sich die Passierscheine für Jerusalem zu verdienen, zeigten die Sippen ihr Können auf dem „Markt der Künste" durch Liedbeiträge, überfielen den römischen Posten oder beantworteten knifflige Bibelfragen. Am Ende des Spiels musste die Pfingstpredigt des Petrus, welche die Gruppen nur in einer „fremden Sprache" erhielten, entschlüsselt werden; anschließend war Zeit für Workshops wie beispielsweise Abseilen oder Kompasskunde.
Abends fand ein Abschlussgottesdienst statt, der - wie auch die Bibelarbeiten der vergangenen Tage - das Buch Nehemia und den Wiederaufbau der Jerusalemer Stadtmauer zum Thema hatte. Ein Anspiel und eine kurze Predigt zeigten den Kindern: Wenn wir Gott vertrauen, können wir auch schwierige Situationen und Zeiten meistern.  
Aber auch ein ungewöhnliches Lager findet viel zu früh sein Ende, und so ging es am nächsten Morgen zurück zum Lagerplatz, wo mit vereinter Kraft die Zelte abgebaut wurden. Obwohl also alles anders gekommen war, als man es erwartet hatte, waren sich alle einig - auch dieses erste gemeinsame Lager der Region Mitte war trotz der Hindernisse ein geniales Lager gewesen. Die schwierigen Umstände, die das Improvisationstalent der Mitarbeiter immer wieder auf die Probe gestellt hatten, und die Tatsache, dass neunzig Personen zwei Tage lang auf engstem Raum miteinander lebten, hatten auch ihre guten Seiten: Zwischen den Pfadfindern der einzelnen Stämme, die sich zuvor zum größten Teil nicht gekannt hatten, entstanden schnell neue Freundschaften; die wie geplant durchgeführten Bibelarbeiten erlaubten in den Kleingruppen Gespräche mit Tiefgang, die teilweise auch nach den Andachten noch fortgesetzt wurden, und die Lagerteilnehmer wurden zu einer großen Gemeinschaft zusammengeschweißt.
Und als die Sonne am Abreisetag wieder am blauen Himmel stand, als wäre nichts geschehen, gab es wohl nicht wenige, die das Lager gerne fortgesetzt hätten. Diesmal aber, wie es sich für ein Pfadfinderlager gehört: Mit Lagerfeuer, gemütlichen Nächten in den Zelten und Frühstück unter freiem Himmel!  

by tiri



Kräfte messen zwischendurch!


Na, wer wird heute gerräuchert?


Wehmut, das Ende naht.


Mein Zelt!


Wer zu erst zu Hause ist muss spülen!




*****Ein exklusiv Interview zum Lager findet ihr auf der Fledermaus Homepage in der Rubrik Aktion.*****