Das Wasser bis zum Halse - Silvesterfreizeit 2002/2003

Das Jahr 2002 neigte sich dem Ende zu und die Nächte waren dunkel und kalt geworden, als sich 10 hartgesottene Mitarbeiter unseres Stammes nach Braunfels aufmachten...  
Wie im Jahr zuvor freuten wir uns auf 5 gemeinsame Tage in einem gemütlichen Häuschen und viel Zeit zum Spielen, Schlafen, Faulenzen, Reden und Essen. Am 29. Dezember brachen wir in Hunoldstal auf, nicht ohne die Autos vorher mit reichlich Holz für den Kamin, der uns in Braunfels erwartete, zu beladen.
Nach einer 45-minütigen Fahrt waren schließlich auch die letzten am Haus Schooleck, das direkt an der Lahn liegt, angekommen. Den Tag verbrachten wir damit, das Haus einzurichten, die nähere Umgebung zu erkunden, die ersten Spiele auszuprobieren und einen Haufen Pfannkuchen zu verspeisen. Am Abend saßen wir dann gemeinsam vor dem Kamin, der nach einiger Verzögerung im Haus wohlige Wärme verbreitete. Die ganze Zeit über begleitete uns das Prasseln der Regentropfen, das auch in der Nacht kein Ende nahm.
Am nächsten Morgen war die Lahn dann plötzlich etwas breiter als zuvor, der Uferstreifen war bereits überschwemmt. Doch das bereitete uns (noch) keine Sorgen und so fuhren nach dem Einkauf in Solms ins Thermalbad nach Aßlar, wo wir uns im warmen Salzwasser entspannten und die (sehr empfehlenswerte) Rutsche unsicher machten. Wieder in Schooleck angekommen mussten wir erstaunt feststellen, dass die Lahn schon soweit über die Ufer getreten war, dass ein Großteil des zum Haus gehörenden Zeltplatzes sowie einer der Zugangswege zu unserem „Heim" unter Wasser standen. Da keiner von uns je von Hochwasser betroffen gewesen war, wussten wir nicht recht, was wir tun sollten, oder ob wir überhaupt etwas tun sollten. Was, wenn das Wasser weiter steigen würde?? Sollten wir Nachtwache halten oder die Freizeit abbrechen?? Wir entschlossen uns, abzuwarten und blickten alle gespannt der „Nacht der Entscheidung" entgegen.
Der letzte Tag des Jahres 2002 empfing uns dann aber doch nicht mit nassen Füßen, sondern mit etwas Schnee auf Wiesen und Wegen. Der Pegel der Lahn war zwar gestiegen, doch nur so wenig, dass die Gefahr fürs Erste gebannt schien. Nach einer Andacht fuhren wir wieder zum Einkaufen nach Solms und deckten uns für die nächsten Tage mit Lebensmitteln ein.
Anschließend begannen die Dreharbeiten für einen äußerst spannenden Kriminalfilm: Er handelte von einer Pfadfindergruppe, die während ihrer Silvesterfreizeit etwas kleiner wurde, nachdem drei Mitglieder auf grausamste Art und Weise von dem bestialischen „Lahnmörder" ins Jenseits befördert worden waren. Um das alles möglichst realistisch darzustellen, verwendeten wir jede Menge Tomatensoße als Blut. Tobi, der den Mörder spielte, musste im Laufe des Films in der eiskalten Lahn baden gehen (wer den Film sehen möchte, der wende sich bitte an seinen Sippenleiter).
Als es dann langsam dunkler wurde und die Dreharbeiten beendet waren, kamen wir zu einem köstlichen 3-gängigen Silvestermenü zusammen. Dann leiteten wir den Silvesterabend mit einer Runde Monopoly ein, die später leider wegen mehreren Betrugsversuchen abgebrochen wurde. Das alte Jahr schlossen wir dann mit einem Jahresrückblick ab. Nach einem  gemeinsamen Abendmahl verließen wir unser Häuschen und versammelten uns um Punkt 12 unter dem freien Himmel (ausnahmsweise regnete es gerade nicht), wünschten uns ein gutes neues Jahr, verfeuerten ein paar Böller und Raketen und betrachteten das bunte Feuerwerk über Braunfels. Nach und nach flohen wir dann vor der Kälte ins Hausinnere und spielten, sangen oder unterhielten uns, bis endlich alle in ihren warmen Schlafsäcken lagen.

Am nächsten Morgen schliefen wir lange. Nach der Andacht spielten wir alle zusammen eine Partie Tabu und faulenzten bis zum Mittagessen; nachmittags brachen die Unternehmungslustigen unter uns nach Braunfels auf, um zwei andere Pfadfinderstämme zu besuchen. Der Rest blieb in „unserem" Häuschen und spielte eine unbarmherzige Runde Monopoly, die mit einem erbarmungslosen Duell der Großkapitalisten Jann und Michael endete.
Zum Abendessen gab es Pizza. Die Zubereitung zog sich allerdings etwas hin, da Tobi, der eine Hand voll Mehl geklaut hatte, bei einem Haus klingeln und einige Orangen gegen Mehl eintauschen musste.
Hendrik verfeuerte beinahe den gesamten Rest unseres Holzvorrates. Wir brutzelten in unserem sonst so kalten Aufenthaltsraum dahin, spielten, unterhielten uns und erfrischten uns mit den letzten, plötzlich heißbegehrten Orangen.
Spätestens um zwei oder vielleicht auch um drei - so genau will ich es gar nicht wissen - gingen die Letzten Schlafen. Es war die letzte Nacht, die wir hier verbrachten.
Der Donnerstag begann früh. Nachdem wir gefrühstück hatten, teilten wir ein, wer wo was aufräumen sollte. Der Hof und die Klos mussten saubergemacht, der Schlaf- und der Aufenthaltsraum gefegt und leergeräumt, die Küche musste gewischt werden.
Tobi stellte den gesamten Wohnraum so gründlich auf den Kopf wie sicher noch niemand zuvor, während Manuel den Waschraum der Jungen für mindestens 15 Minuten unter Wasser setzte.
Um elf waren dann alle Rucksäcke und Taschen in den Autos verstaut und wir verließen das Haus, das uns für fünf Tage Schutz vor dem Regen gewährt hatte.
Was aus dem gemütlichen Hüttchen nach unserer Abreise geworden ist und ob es doch noch in den Fluten der weiter steigenden Lahn versunken ist, wissen wir nicht.....
  
by tiri