Auf den Spuren Leif Erikssons


Sommerlager der Turmfalken am Veersemeer

Die Sonne steht hell am Himmel, als der Wikinger Leif Eriksson an diesem Morgen des Jahres 999 n. Chr. gemeinsam mit seinem treuen Gefährten Tyrkir und vielen weiteren Gefolgsleuten nach Norwegen aufbricht, um dort die Gunst König Olav Tryggvasons zu erlangen. Seine Schwester Freydis und seine Mutter wischen sich ein paar Tränen aus den Augenwinkeln, während sich sein Vater, der berüchtigte Erik der Rote, wortreich von den beiden verabschiedet.
Ob es Leif gelingen wird, am Hof des Olav Tryggvason aufgenommen zu werden, hängt ganz von seinen Gefolgsleuten ab: 21 junge Wikinger, die Wind und Wellen nicht fürchten. Und das, obwohl sie gerade erst zu Wikingern geworden sind: Eigentlich besteht das Gefolge von Leif Eriksson nämlich aus den Jungpfadfindern und Pfadfindern des Stammes Turmfalke Neu-Anspach, die zusammen mit den Rovern und Altpfadfindern – insgesamt 42 Pfadis – ihr Sommerlager auf dem Zeltplatz des Scoutcentrums Zeeland direkt am Veersemeer verbringen. Schon morgens beim Frühstück hat man hier freie Sicht auf das in den ersten Tagen wunderbar blaue Wasser und die vorbeisegelnden Schiffe.
In einer solchen Umgebung ist man natürlich noch viel motivierter, im Großen Spiel alles zu geben. Und so gelingt es den jungen Wikingern problemlos, ihr Tugenden unter Beweis zu stellen und bei Hindernisläufen, beim Knüpfen von Freundschaftsbändern, beim Baumstammwerfen oder beim Singen genügend Ruhm zu erlangen, um den König auf Leif aufmerksam zu machen. Olav Tryggvason nimmt ihn daher nur allzu gerne in sein Gefolge auf und überreicht ihm als Zeichen seiner Zugehörigkeit einen wertvollen silbernen Armreif. Zurück in Grönland plant Leif gleich sein nächstes Abenteuer, als er die Berichte des reisenden Händlers Bjarni Herjolfsson hört, der von neuem Land weit im Westen berichtet. Leif und seine Leute sind sofort Feuer und Flamme und durch harte Arbeit und geschicktes Handeln gelingt es ihnen in der nächsten Spielphase des Großen Spiels, ein Drachenschiff für die Überfahrt auszurüsten.
Erik der Rote möchte eigentlich lieber seinen erfahreneren Neffen Thorvald auf die Reise schicken, doch Leif kann das Thing hinter sich bringen - und so bricht schließlich doch er selbst zu der abenteuerlichen Fahrt zum Land im Westen auf. Und genau dieses Land dürfen die Pfadis am nächsten Tag in einem Tageshajk erkunden. Nur mit einem Kartenfragment ausgerüstet, müssen sie an den verschiedenen Späherposten weitere Kartenteile ergattern und gleichzeitig die Augen nach wertvollen Rohstoffen offen halten. Wie gut, dass das Wetter dabei mitspielt und es trocken bliebt. Und auch ein paar Blasen und zwei abgefallene Schuhsohlen können der Stimmung der Wikinger nichts anhaben.
Schlechte Stimmung zieht am nächsten Morgen dann aber gleich von zwei Seiten auf: Zum einen nieselt es unablässig und die dunklen Wolken hängen tief, zum anderen ist Leifs Armreif verschwunden. Einiges deutet darauf hin, dass Thorvald der Gruppe in das neu entdeckte Land – Vinland – gefolgt ist und nun den Reif an sich genommen hat. Nach einem ruhigen Morgen, den viele in der Gemeinschaftsjurte verbringen, haben die meisten genug vom Ausharren und so starten die jungen Wikinger, dem Regen trotzend, einen Angriff auf Thorvalds Lager. Besonders die hoch motivierten Maulwürfe und Piranhas, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Gewinn der Gesamtwertung leisten, überlisten ein ums andere Mal die Wachposten und kehren mit Hinweisen zum Versteck des Reifs ins eigene Lager zurück. Tatsächlich kann der Armreif bald ausfindig gemacht werden. Doch die Freude währt nicht lange, als sich herausstellt, dass Leifs Schwester Freydis mit Thorvald unter einer Decke steckt und die beiden samt Armreif zu fliehen versuchen. Es beginnt eine dramatische Schlacht auf dem Wasser, doch Leifs Leibwächter Halvard sichert ihm schließlich endgültig den Sieg.
Auch abseits des Großen Spiels ist in der kleinen Kohten- und Jurtenstadt am Veersemeer einiges los. In der „Bäckerei Rieck“ läuft der Ofen in der Lagerfeuerglut auf Hochtouren und zaubert so manches Hefebrot und so manchen Kuchen hervor. Kein Wunder also, dass es auch auf dem Hackplatz beim Sägen und Holz hacken munter zur Sache geht. Andere genießen eher die Ruhe und spielen in der Sonne Karten oder nähen schon mal ihre Lagerabzeichen an. Und dann wartet da ja auch das kühle Nass direkt neben dem Platz, in das der ein oder andere mehr als nur einmal eintaucht. Nicht fehlen darf natürlich ein Ausflug zum offenen Meer, auch wenn dafür ein mehr als zweistündiger Fußmarsch nötig ist – und das ist nur der einfache Weg. Doch die Strapazen werden mit einem riesigen Sandstrand belohnt, der sich nicht nur perfekt zum Baden im (recht kühlen) Meer, zum Sonnen oder zum Spielen eignet, sondern auch zum Bauen von Sandburgen sowie einer riesigen Meerjungfrau anregt.
Am Montagnachmittag versammeln sich alle zum gemeinsamen Gottesdienst, den einige der Pfadis mit vorbereitet haben. Neben zwei Anspielen und vielen Lobpreisliedern gibt es auch ein Abendmahl und einen Zeugnisteil, in dem drei der Teilnehmer von ihren Erlebnissen mit Gott berichten. An den übrigen Tagen versammeln sich die Turmfalken in der großen Jurte zur Abendandacht, die einmal in einen langen Lobpreisabend übergeht. Und auch an den anderen Tagen wird zur später Stunde noch kräftig gesungen: Alle sind sich einig – so viel, so gut und mit einer so großen Liedauswahl wurde auf einem Stammeslager der Turmfalken noch nie gesungen. Nur am Mittwochabend bleibt es ruhig, als alle gemeinsam schweigend ans Ufer des Veersemeers ziehen, wo fünf Pfadfinderinnern und zwei Pfadfinder im Fackelschein ihr Versprechen ablegen.
Viel zu schnell kommt dann das Ende des Lagers: Am Freitagmorgen werden unsere vier Gäste aus Porta Westfalica verabschiedet, bevor mit den Workshops – vom Pizzabacken über Gitarrespielen bis hin zur Schmuckherstellung ist alles dabei – der letzte Tagesprogrammpunkt ansteht. Den freien Nachmittag verbringen viele bei schönstem Sonnenschein im Wasser oder widmen sich der Vorbereitung des bunten Abends, mit dem das Lager ausklingt. Und was für ein Abend es werden soll! Nach einem leckeren Festbuffet präsentieren die Sippen ihre allesamt sehr gelungenen Beiträge und bringen mit Spielen, Quizfragen und einem Theaterstück die Jurte in Stimmung. Die Rover – die als Schauspieler zum tollen Gelingen der Showacts beigetragen haben – bringen sogar ein Mini-Musical auf die Bühne, in dem sie die Geschichte von Leif, seiner Familie und seinen Gefährten weiterspinnen. Auch das ein oder andere Lied, ein leckerer Tschaj und die berüchtigte „Elisabeth“ dürfen nicht fehlen, bevor der Abend schließlich traditionell mit dem Abendlied ausklingt.
Am nächsten Morgen schon verschwindet die Zeltstadt in kürzester Zeit und die Turmfalken machen sich – natürlich immer noch singend – auf den langen Weg nach Hause. Und auch wenn das Lager vorbei ist, gibt es doch vieles, das bleibt: Platt gelegene Wiesenstücke, leider auch ein paar Blasen und Sonnenbrände, der ein oder andere Ohrwurm, Lager-T-Shirts und Abzeichen, bunte Freundschaftsbändchen, eine ebenso bunte Wimpelkette und vor allem die Erinnerungen an die Abenteuer der vergangenen Tage, das größtenteils sonnige Wetter und natürlich die geniale Gemeinschaft, die das Zusammenleben als Turmfalkenfamilie immer zu etwas ganz besonderem macht. Viele gute Gründe, um Gott dankbar zu sein!


tiri