Sommer, Wasser, Wolkenbruch



Kanulager vom 9. bis 12. Juni 2004


Als am 9. Juni um 17:30 Uhr die ersten der 26 Teilnehmer  auf dem Zeltplatz in Weilburg eintrafen, war es noch immer so heiß, dass die meisten wohl lieber ein Bad in der Lahn genommen hätten, anstatt zuerst die Zelte - drei Kohten  und eine Jurte - aufzubauen. Doch auch beim mittlerweile vierten Weilburger Kanulager in unserer Stammesgeschichte kam niemand um diese Aufgabe herum. Und als dann alle Zelte standen, blieb für alle, die Lust hatten, immer noch genügend Zeit, sich in den kühlen Fluten der Lahn zu erfrischen oder waghalsige Sprünge von einer Brücke ins Schleusenbecken zu vollführen. Nach einem leckeren Abendessen versammelten sich alle zu einer Andacht, bei der es, wie auch an den folgenden Tagen, um König David ging, am Feuer. Einige hatten auch danach noch nicht genug und trugen auf einer nahegelegenen Wiese ein Fußballspiel aus.
Am nächsten Morgen versprachen die warmen Sonnenstrahlen einen weiteren heißen Lagertag. Nach dem Frühstück stand für alle Sipplinge eine Stadtrallye auf dem Programm. In vier Gruppen machten sich die Pfadfinder, Jungpfadfinder und drei Wölflinge die Lahn entlang auf den Weg in den historischen Stadtkern von Weilburg, wo es knifflige Fragen zur Weilburger Stadtgeschichte zu beantworten, Gedichte und Geschichten zu erfinden und Rechenaufgaben zu lösen galt. Währenddessen hatten die zurückgebliebenen Mitarbeiter Zeit zum Entspannen, allerdings auch nicht allzu lange, denn das Mittagessen musste vorbereitet und die mitgebrachten und zu Schwimmreifen umfunktionierten Autoschläuche mussten aufgepumpt werden.
Bald trafen auch die Gruppen, die in der Stadt gewesen waren, wieder auf dem Lagerplatz ein. Die meisten stürzten sich angesichts des schönen Wetters gleich wieder in die Lahn. Einige waren so davon begeistert, Kanus durch die gegenüberliegende Schleuse zu schleusen, dass sie das Mittagessen einfach ausfallen ließen.
Nach der Mittagspause hätte eigentlich ein Wettbewerb im Gummischlauchfloß bauen angestanden, doch mittlerweile waren dunkle Wolken aufgezogen und Regen prasselte aufs Jurtendach, was einige dazu bewog, sich deprimiert in die Zelte zurückzuziehen. Anderen machten die meist nur kurzen Schauer gar nichts aus, sie ließen sich im Regen mit den Schläuchen die Lahn hinuntertreiben. Abends ermöglichte das Wetter  nach dem Essen wieder eine Lagerfeuerrunde mit Andacht, doch gerade als die ersten Fahrtenlieder angestimmt werden sollten, trieb uns der Regen wieder in die Zelte.
Am nächsten Morgen dann mussten alle pünktlich aus den Schlafsäcken kriechen, schnell früstücken und sich bereit machen für den Höhepunkt jedes Weilburglagers: Die Kanutour. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Kanuverleih, wo die Boote bestiegen wurden. Als erstes musste der Weilburger Bootstunnel und die beiden darauf folgenden Schleusen durchpaddelt werden, doch kaum war das geschafft, wurde an unserem Zeltpaltz der erste Stopp eingelegt, die Kanubesatzungen etwas verändert und der Proviant an Bord genommen. Nach einiger Zeit hieß es für die sieben Kanus uns Tobis Kajak dann endlich „Schiff Ahoi!"  
Die Fahrt ging lahnabwärts, vorbei an kleineren Orten, an Wiesen, Feldern und manchmal auch steileren Hängen direkt am Fluß. Nach dem Bootstunnel warteten noch zwei weitere Schleusen, die in diesem Abschnitt der Lahn selbst betätigt werden müssen, auf unsere Boote. Etwa auf der Hälfte der Strecke legten wir an einem Campingpaltz unsere Mittagspause ein. Das Essen bestand aus lediglich zwei Eimern von Edines legendären Monsterkeksen, und Mitarbeiter wie Sipplinge fürchteten, dass nicht alle satt werden würden. Doch wir hatten die Monsterkekse unterschätzt: Schon nach ein paar Runden verzichteten die ersten auf jeden weiteren Keks.
So „gedopt" ging die Fahrt weiter Richtung Villmar, unserem Zielort. Das Wetter hatte sich, Gott sei Dank, gut gehalten. Meist war es bewölkt, aber trotzdem warm, und ab und zu lugte die Sonne zwischen den Wolken hervor. Die Tour verlief für die einzelnen Kanus höchst unterschiedlich: Während die einen so weit vorne lagen, dass sie sich treiben lassen und die Sonne genießen konnten, kenterten die anderen gerade zum x-ten Mal und wieder andere lieferten sich mit anderen Booten regelrechte Wasserschlachten. Als die ersten schon das Ziel vor Augen hatten, verdunkelte sich der Himmel plötzlich bedrohlich und ein kalter Platzregen ergoss sich über sämtliche Boote. Nach und nach legten alle Boote in Villmar an und die Besatzungen suchten Schutz unter den Bäumen am Ufer. In den regennassen Klamotten fingen nicht wenige an zu bibbern und zu zittern, und so waren alle froh, als wir endlich in die Bahn nach Weilbrug steigen konnten. Nur Tobi, dessen Kajak nicht gerade bahntauglich war, musste auf seinen persönlichen Abholservice warten. Doch auch für uns andere war die Tour am Weilburger Bahnhof noch nicht vorbei: Im strömenden Regen mussten wir frierend den Weg zum Lagerplatz zurücklegen, doch irgendwann war auch der letzte eingetroffen, konnte sich trockene Sachen anziehen, am Lagerfeuer wärmen und das warme Abendessen genießen.
Am Abend, den wir wie immer am Lagerfeuer mit Andacht und Singen ausklingen ließen, wurde Kriegsrat gehalten und aufgrund des für den kommenden Nachmittag angesagten Regens beschlossen, das Lager anders als geplant schon um 14:00 Uhr zu beenden.
Diese Entscheidung sollte sich noch als weise herausstellen. Am nächsten Vormittag gelang es uns trotz kleinerer Schauer alle Zelte trocken abzubauen und zu verpacken und auch das Mittagessen und unsere gemeinsame Abschlussrunde fanden weitgehend im Trockenen statt. Erst, als nur noch ein paar Mitarbeiter die letzten Sachen auf dem Hänger verstauten, brach ein heftiges Gewitter mit einem stärkeren Platzregen, als wir ihn auf dem ganzen Lager erlebt hatten, los, was zu der Erkenntnis führte: „Gott hat sich an den Plan gehalten, nur wir nicht."
Auch das vierte Weilburglager wird uns wohl allen in guter Erinnerung bleiben und wieder einmal durften wir Gottes Bewahrung, sowohl was das Wetter, als auch was das körperliche Wohlbefinden der Lagerteilnehmer betraf, erfahren.
Und die meisten freuen sich wahrscheinlich schon auf das nächste Kanulager, auf Sonne, Wasser und viel Freizeit.  
  
tiri