Weilburglager 2008


Von wunden Füßen und kenternden Kanus

Es ist schon halb zehn, als wir an diesem Mittwochabend unsere schweren Rucksäcke absetzen und uns erschöpft in die Wiese fallen lassen. Genau wie zwei andere Hajkgruppen des Stammes Turmfalke Neu-Anspach sind wir unterwegs nach Weilburg, wo am Fronleichnamswochenende vom 21. bis zum 25. Mai unser traditionelles Kanulager stattfinden soll. Los ging es am späten Nachmittag in Hunoldstal. Immer an der Weil entlang erreichten wir schließlich Rod an der Weil; hier wollen wir die Nacht verbringen. Aber bevor wir wohlverdient in die Schlafsäcke kriechen können, bleibt noch einiges zu tun: Während die einen Holz suchen und ein Feuer entfachen, um die Nudelsuppe kochen zu können, bauen die anderen aus unseren Planen ein provisorisches Zelt. Eine dritte Gruppe macht sich auf den Weg in den Ort, denn wir müssen dringend unsere Wasserflaschen auffüllen lassen. Die Suppe köchelt schon auf dem Feuer und die Dämmerung senkt sich über das Tal, als laut grölend eine andere Hajkgruppe ganz in der Nähe vorbeiwandert. Wir hingegen waren heute lange genug auf den Beinen und legen uns bald nach dem Essen schlafen.
Die Nacht wird kurz und unbequem und so ziehen wir am nächsten Morgen nach einem stärkenden Haferschleim-Frühstück schon um 9 Uhr weiter, schließlich liegt der größte Teil der 36 km langen Strecke noch vor uns. Neben uns plätschert die Weil, über uns scheint die Sonne, doch unsere Beine werden immer schwerer. Deshalb teilen wir die Gruppe nach dem Mittagessen in Audenschmiede auf: Die einen steigen in den Bus nach Weilburg, die anderen nehmen die Herausforderung an, zu Fuß nach Weilburg zu gelangen. Um halb fünf trudeln wir endlich mit schmerzenden Füßen als letzte Hajkgruppe auf dem Lagerplatz ein, aber immerhin: Wir haben es geschafft! Mit dem Aufbau der Zelte haben diejenigen, die früher eingetroffen sind, bereits angefangen, so dass nicht mehr viel Zeit vergeht, bis alle Zelte stehen und das Lager richtig beginnen kann. Mit einer ausgiebigen Singerunde und Popcorn am Lagerfeuer lassen wir den anstrengenden Tag ausklingen.
Der Freitag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Vor uns liegt ein Tag, den wir ganz nach Lust und Laune gestalten können. Wir baden in der Lahn, die direkt am Zeltplatz vorbeifließt, bergen ein gesunkenes Kanu und helfen den vorbeikommenden Kanufahrern beim Passieren der Schleuse. Zwischendurch wartet auf uns leckeres Essen (inklusive Eis!) und unterbricht die Spiele am und im Wasser. Für Langeweile bleibt kein Platz: Wer möchte, kann im Kajak ein Stück die Lahn hinaufpaddeln, in der Sonne faulenzen, singen oder Boccia spielen. Einige sind auch damit beschäftigt, das Pfadfinderversprechen auswendig zu lernen, denn am Abend findet hoch über Lahn auf einer verwunschenen Lichtung im Wald eine große Versprechensfeier statt – für die, die ihr Halstuch bekommen, natürlich ein Höhepunkt des Lagers. Danach geht es schon bald ab in die Schlafsäcke, schließlich müssen wir am nächsten Morgen früh aufstehen.
Auf dem Programm steht an diesem Samstag nämlich die traditionelle gemeinsame Kanutour von Weilburg nach Villmar. Auf dem Weg müssen der Weilburger Bootstunnel sowie drei Schleusen überwunden werden. Als viel schwieriger erweist es sich allerdings, sich im „Kampf“ mit den anderen Kanus zu behaupten, trocken zu bleiben und nicht zu kentern, was nur zwei Gruppen gelingt. Bei der großen Mittagspause herrscht jedoch Frieden und so können alle in Ruhe die leckeren Monsterkekse, Äpfel und Müsliriegel verspeisen und sich für den Rest der 23 km langen Strecke stärken. Als es dann wieder in die Boote geht, liefern sich die einen wilde Seeschlachten, während die anderen im Takt von Fahrtenliedern paddelnd ungestört dem Ziel immer näher kommen. Nachdem alle Villmar erreicht haben, die Kanus aus dem Wasser gezogen sind und die meisten wieder trockene Kleider am Leibe tragen, wandern wir zum Bahnhof und fahren zurück nach Weilburg, wo bereits ein leckeres Abendessen auf uns wartet.
Der letzte Lagertag bricht grau und trübe an, aber das stört uns bei unserem Gottesdienst in der Gemeinschaftsjurte zunächst wenig. Und als wir uns dann an den Abbau machen, scheint – Gott sei Dank – wieder die Sonne und lässt die schwarzen Zeltplanen gerade rechtzeitig trocken werden. Bald ist alles eingepackt und wir kehren mit dem Bus nach Hunoldstal zurück. Hinter uns liegen fünf teils anstrengende, aber sehr erlebnisreiche Lagertage mit viel Spaß und guter Gemeinschaft. Und denen, die jetzt schon wehmütig auf das Lager zurückschauen, sei gesagt: Das nächste Weilburglager kommt bestimmt!

tiri