Die Geschichte des Fahrtennamens

Fahrtennamen - Was ist das denn?

Fahrtennamen entstehen auf Fahrten oder bei anderen Sippenaktionen - durch lustige, peinliche, schwierige oder andere besondere Situationen oder Ereignisse, bei denen sich der Betroffene irgendwie hervor getan hat.  

Das kommt dem ein oder anderem vielleicht bekannt vor, denn schon die Indianer hatten ein ähnliches Verfahren zur Namensgebung. Kurz nach der Geburt erhielt das neugeborene Kind einen Namen. Dieser richtete sich entweder nach einem Ereignis, das am Tag der Geburt stattfand, oder nach einem Tier oder einer Pflanze. Durch die Prüfung, die der Indianer als 14-
bis 16-Jähriger allein in der Wildnis ablegte sowie durch Kämpfe oder andere tapfere und mutige Taten wurde der Name ein- oder mehrmals gewechselt. Hatte der Indianer z.B. während seiner Jugendprüfung ein besonderes Erlebnis gehabt, hatte er z.B. Stimmen im Wind gehört, so konnte es sein, dass sein Stamm ihn in "der dem Wind lauscht" umbenannte.

Bei den Germanen war es ähnlich, auch hier wurde der Name unter Umständen mehrmals gewechselt, ein Krieger konnte für besondere Leistungen im Kampf mit einem neuen Namen ausgezeichnet werden.

Ähnliche Verfahren gab es wohl auch in anderen Völkern. Selbst in der Bibel finden wir Namensänderungen, die auf einer persönlichen Gottesbegegnung beruhten, wie bei Saulus, der nach seiner Bekehrung Paulus hieß.  

Baden Powell, der Pfadfindergründer, hatte Pfadfindernamen zur Stärkung der Gruppenidentität angeregt. Diese haben jedoch mit den von uns verwendeten situationsbezogenen, persönlichen Namen nichts zu tun. B.P.'s Namen wurden aufgrund der Eigenschaft einer Gruppe gebildet und die Namen wurden wie Titel vor den Namen der Sipplinge gesetzt: In der Sippe der Kelten hat z.B. jeder Sippling den Titel Mac vor seinem Namen.  

Die Tradition, die wir anwenden, persönliche Namen nach Ereignissen zu verleihen, stammt - wie viele andere Traditionen unter uns deutschen Pfadfindern - von der Bündischen Jugend ab. Die Bündische Jugend entstand um die Jahrhundertwende und war somit vor der Pfadfinderarbeit in Deutschland verbreitet (siehe Geschichte -> Deutschland). Fahrtennamen sind somit eine eher deutsche Tradition und im Ausland nicht unbedingt bekannt.

Diese Tradition passt aber wie viele andere Traditionen auch gut zur Pfadfinderei, denn schließlich hat B.P. die Pfadfinderei immer als "das große Spiel" beschrieben!

Fahrtennamen haben auch etwas Geheimnisvolles, Besonderes und Persönliches, da nur wir als Pfadfinder diese Namen benutzten und nur wenige Leute bei dem Ereignis dabei waren, das zur Namensgebung geführt hat. Diese Eigenschaften von Fahrtennamen geben dieser Tradition auch einen besonderen Gemeinschaftseffekt unter uns Pfadfindern.

Der praktische Vorteil von Fahrtennamen ist noch, dass die Fahrtennamen einzigartig sind und es so beim Rufen des Namens nicht zu Verwechselungen kommt.

Wir jedenfalls sind froh, diese Tradition zu haben und freuen uns, dass damit "das große Spiel", die Pfadfinderei, um eine Besonderheit bereichert ist.